Donnerstag, 17. August 2017

[Rezension] Touchdown zum Glück – Andrew Grey


Titel: Touchdown zum Glück
Autor: Andrew Grey
Verlag: Cursed Verlag
Erscheinungsdatum: 01. September 2016
Einband: Softcover
Seiten: 138
ISBN: 978-3-958230-59-0
Preis: 6,95 € [D]


 
Als Star-Quarterback Freddie Samuelson feststellen muss, dass sein Biochemie-Kurs um einiges schwerer ist als erwartet, willigt sein Laborpartner Kurt Maxwell widerwillig ein, ihm zu helfen. Die beiden sind grundverschieden: Ein Sportler aus einer reichen Familie und ein ehrgeiziger, geoutet schwuler Student, der sich sein Stipendium verdienen muss. Doch trotz ihrer scheinbaren Gegensätzlichkeit fühlt sich Freddie zu Kurt hingezogen, vor allem nachdem dieser ihm bei weit mehr beisteht als nur bei ihrer Naturwissenschaftsvorlesung. Als die Gerüchteküche um sie zu brodeln beginnt, steht Freddies Zukunft plötzlich auf der Kippe und auch Kurt könnte alles, wofür er so hart gearbeitet hat, verlieren ...


- Formel zum Glück (Teil 1)
- Touchdown zum Glück (Teil 2)
- Spannung zum Glück (Teil 3)
Die Bücher haben jedoch unterschiedliche Protagonisten, sodass sie unabhängig voneinander gelesen werden können.


„Ist es nicht ein bisschen früh, um zur Vorlesung zu gehen?“, fragte Peter gähnend und tappte, nur mit einem Handtuch um die schmalen Hüften, durch das Zimmer des Wohnheims.
(Seite 7)


Dieser erste Satz beschreibt im Grunde schon sinnbildlich den ganzen Kontext, in dem die Geschichte spielt. Kurt und Freddie sind Studenten an einer Universität, aber ich hatte das Gefühl, dass der Autor keine Ahnung vom Studentenleben hat, ganz zu schweigen von Wissen über Biochemie. Der gesamte Universitätskontext ist einfach nur unglaubwürdig. Alles wird übertrieben dargestellt. Beispielsweise muss Kurt schon am ersten Tag des neuen Semesters sechs Kapitel in einem Buch durcharbeiten, einen Laborbericht schreiben und zwei Vorlesungen für den nächsten Tag vorbereiten. Die Kapitel liest er natürlich alle ganz flott zwischen dem letzten Kurs und dem Abendessen. Grundsätzlich ist es natürlich möglich, dass er einfach nur ein extrem gewissenhafter Student (und ein enormer Streber) ist, allerdings betrifft das nicht nur ihn. Er trifft er sich nach dem Abendessen mit seinen Freunden, sie spielen eine Stunde Xbox und setzen sich dann alle nebeneinander und arbeiten konzentriert an ihren jeweiligen Studienaufgaben - am ersten Tag des Semesters! Diese Arbeitswütigkeit zieht sich durch das gesamte Buch. Hinzu kommen dann noch andere Ungereimtheiten, wie beispielsweise dass es im dritten Fachsemester eine Veranstaltung mit dem Titel „Einführung in die Biochemie“ gibt. Das ganze Setting ist dermaßen unrealistisch, dass ich ihm absolut nichts abgewinnen konnte.

Mit der eigentlichen Geschichte habe ich mich auch schwer getan, weil alles extrem schnell ging, insbesondere die Gefühle. Bei so wenigen Seiten war das zwar zu erwarten, aber ich hatte auf eine etwas weniger hektische und oberflächliche Geschichte gehofft. Das betrifft nicht nur die Instant-Liebe, sondern auch alle anderen Aspekte. Mehrfach wechselt die Stimmung innerhalb weniger Seiten von „Sprich nie wieder mit mir“ zu „Lass uns Sex haben“ und zurück. So schnell kam ich gar nicht hinterher. Besonders Kurt ist sehr wankelmütig. Immer, wenn er etwas beschließt, beispielsweise mit Freddie abzuschließen oder ihm nicht seine Notizen zu überlassen, ändert er wenige Seiten, manchmal sogar Absätze später seine Meinung. Peter beschreibt ihn einmal mit den Worten „Mein Gott, dir könnte man sogar Sand in der Wüste verkaufen.“ (Seite 20) und hat absolut recht damit.

Als ich das Buch gekauft habe, habe ich beschlossen, mit diesem zweiten Band der Reihe zu beginnen, weil mich der Klappentext mehr angesprochen hat als der des ersten Teils. Beim Lesen musste ich allerdings feststellen, dass ich Professor Marcus und Coach Josh, die Protagonisten aus dem ersten Band und hier nur Nebencharaktere, interessanter und sympathischer fand als Kurt und insbesondere Freddie. Der Sportaspekt, wegen dem ich mich eigentlich für diesen Teil entschieden habe, spielt außerdem gar keine Rolle. Freddie ist Quarterback, weshalb ihn alle toll finden, und es ist Football, weshalb er natürlich nicht schwul sein darf, aber mehr ist nicht wichtig. Spiele und Training werden übersprungen und ein Mannschaftsgefühl kommt auch nicht auf. In die Kategorie „Gay Romance mit Sportlern“ ist das Buch also nun wirklich nicht einzuordnen.


Das Buch hat mich wirklich enttäuscht. Ich hatte auf eine lockere, leichte Sportler-Romanze gehofft. Stattdessen ging alles so schnell und so oft hin und her, dass es hektisch, oberflächlich und uninteressant war. Freddies Sport spielt zudem eigentlich überhaupt keine Rolle. Außerdem konnte ich dem Universitätskontext absolut nichts abgewinnen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass der Autor Ahnung davon hat. Alles war übertrieben, unrealistisch und unglaubwürdig. Für Coach Josh als sympathischen Nebencharakter bekommt „Touchdown zum Glück“ insgesamt zwei Schreibfedern.


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