Mittwoch, 16. August 2017

[Rezension] Simon vs. The Homo Sapiens Agenda – Becky Albertalli


Titel: Simon vs. The Homo Sapiens Agenda
Autor: Becky Albertalli
Verlag: Balzer and Bray
Erscheinungsdatum: 07. April 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 303
ISBN: 978-0-062348-67-8
Preis: 14,99 € [D]


Sixteen-year-old and not-so-openly gay Simon Spier prefers to save his drama for the school muscial. But when an email falls into the wrong hands, his secret is at risk of being thrust into the spotlight. Now Simon is actually being blackmailed: If he doesn't play wingman for class clown Martin, his sexual identity will become everyone's business. Worse, the privacy of Blue, the pen name of the boy he's been emailing with, will be jeopardized.
With some messy dynamics emerging in his once tight-knit group of friends, and his email correspondence with Blue growing more flirtatious every day, Simon's junior year has suddenly gotten all kinds of complicated. Now, change-averse Simon has to find a way to step out of his comfort zone before he's pushed out – without alienating his friends, compromising himself, or fumbling a shot at happiness with the most confusing, adorable guy he's never met.


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


"It's a weirdly subtle conversation."
(Seite 1)


Das Buch hatte mich sofort. Beim Lesen des zweiten Satzes bin ich das erste Mal in schallendes Gelächter ausgebrochen. Der Humor der Geschichte hat meinen Geschmack absolut getroffen. Die Leute in der Straßenbahn haben mich bestimmt für verrückt gehalten, weil ich die ganze Zeit vor mich hin gekichert habe. Die Menschen im Bus haben mich von einem Ohr zum anderen grinsen sehen. Und das Mittagessen hat viel Zeit in Anspruch genommen, weil ich manchmal vor Lachen einfach nicht weiter essen konnte. Von Wortwitzen, Situationskomik und trockenem Humor versteht die Autorin wirklich etwas. Außerdem konnte ich das Buch, offensichtlich, nicht aus der Hand legen, bis ich es beendet habe. Selbst im Gehen musste ich weiter lesen.

Trotz dieser Menge an Humor behandelt das Buch auch ernste Themen. Immer wieder muss sich Simon damit auseinandersetzen, Dinge zu tun, die er nicht möchte, weil er erpresst wird. Auch Fragen des Coming-Outs beschäftigen ihn die ganze Zeit, denn er muss sich überlegen, ob er es jemandem erzählen möchte, wie er das am besten anstellt und in welcher Reihenfolge er Familie und Freunde einweiht. Gleichzeitig fühlt er sich zu Blue hingezogen, dessen Identität er nicht kennt, und der nicht gewillt scheint, etwas daran zu ändern. In all diese größeren und kleineren Probleme ist ganz subtil immer wieder ein bisschen Humor eingewoben, sodass es ein lebensfrohes Buch ist und keine melancholische Stimmung aufkommt.
Subtilität spielt ohnehin eine große Rolle in diesem Buch. Simon merkt es im ersten Satz selbst an und das zieht sich durch die gesamte Geschichte. Es wird viel gesagt, ohne etwas zu sagen. Die Autorin hat häufig körperliche und emotionale Reaktionen beschrieben, statt die Charaktere alles verbal ausführen zu lassen. Doch auch in diesen und anderen Beschreibungen schafft sie es, zu vermitteln, worum es geht, ohne die Dinge beim Namen nennen zu müssen. Das hat mir sehr gefallen, weil ich dadurch das Gefühl hatte, dem Buch auf einer tieferen Ebene zu folgen. Gerade bezüglich Aspekten der Intimität passten diese subtilen Ausführungen perfekt zu Simons zurückhaltendem, in gewisser Weise unschuldigen Charakter.

Am meisten hat mich jedoch ein Punkt begeistert, der mir erst gegen Ende bewusst geworden ist: Ich habe mich gemeinsam mit Simon in Blue verliebt. Im Buch wechseln sich Kapitel über Simons Leben mit Abdrucken der Mails ab, die Simon und Blue sich schicken. Da es sehr lange dauert, bis Simon herausfindet, um wen es sich bei Blue handelt (ich wusste es auch bis zum Schluss nicht), entwickelt sich die Geschichte sehr langsam. Die Mails werden langsam intimer, als die beiden Jungen sich ihre Geheimnisse anvertrauen, über die sie mit niemandem sonst sprechen können. Sie fangen vorsichtig an, miteinander zu flirten. Das überträgt sich auch auf Simons restliches Leben, denn wenn er anderen Jungen beispielsweise zulächelt, fühlt er sich als würde er Blue hintergehen. Für diese Entwicklungen, das Entstehen der Zuneigung und die Intensivierung der Gefühle hat die Autorin sich viel Zeit genommen. Das alles passiert so langsam und nebenbei am Rand, dass ich erst am Ende mitbekommen habe, dass ich mich zusammen mit Simon verliebt habe. Das war wirklich sehr schön und in realistischer Geschwindigkeit erzählt.


Das Buch hat mir so gut gefallen, dass ich es am liebsten direkt noch einmal von vorne lesen würde. Der trockene Humor, der manchmal Situationskomik, manchmal aber auch nur subtil in Simons Gedanken eingewoben ist, hat meinen Geschmack genau getroffen. Das Buch hat mich unglaublich oft zum Lachen gebracht. Außerdem hat mir gefallen, wie die Autorin Dinge umschreiben und subtil vermitteln kann, ohne immer alles beim Namen nennen zu müssen. Die Geschichte selbst entwickelt sich langsam und authentisch. Ich habe mich mit Simon in Blue verliebt, auch wenn ich bis zur Enthüllung nicht wusste, wer er war. Das hat mich absolut positiv überrascht. „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“ gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern und bekommt dafür fünf Schreibfedern.

Kommentare:

  1. Willkommen in der post-Simon Hölle, in der man sich fragt, warum man grade dieses mittelmäßige Buch X liest statt Simon zu rereaden (muhahaXD). Irgendwie ist es seltsam schön, eine so begeisterte Rezi zu lesen zu einem Buch das man selbst so liebt:) Und die Vorstellung, dass du das Buch im Bus gelesen hast ist irgendwie cool (obwohl ich nicht gaanz genau sagen kann warum:D) Naja, lange Rede kurzer Sinn, sehr cool dass dir das Buch auch so gut gefallen hat!
    LG Julia

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    1. Hey Julia,

      ich hätte das Buch tatsächlich beinahe einfach wieder von vorne angefangen. xD Stattdessen habe ich ein anderes genommen und das war echt nicht gut. :(
      Mir gefällt es auch immer, wenn andere Leute die Bücher toll finden, die ich mag. :D Also, ich freue mich, dass dir das Buch auch so gefallen hat!
      Und im Bus lesen... Eigentlich kann ich das nicht. Da wird mir übel bei. Aber die paar Haltestellen bis nach Hause... Ich hab tatsächlich Zuhause angefangen, im Bus gelesen, in der Bahn gelesen, beim Laufen zur Mensa gelesen, beim Essen gelesen und dann den Weg zurück weiter. Ich konnte das Buch nicht weglegen. xD Das war echt schlimm. Und die ganze Zeit habe ich vor mich hin gekichert wie verrückt. Die Leute um mich herum haben mich bestimmt für bescheuert gehalten. :D

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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