Freitag, 25. August 2017

[Rezension] Oblivion: Lichtflüstern – Jennifer L. Armentrout


Titel: Oblivion - Lichtflüstern
Autor: Jennifer L. Armentrout
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 10. Januar 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 382
ISBN: 978-3-551583-58-1
Preis: 18,99 € [D]


Als Katy nebenan einzieht, weiß Daemon sofort: Das gibt Schwierigkeiten. Er darf keinen Menschen an sich heranlassen, denn das würde Fragen aufwerfen. Warum bist du so stark? Wie kannst du dich so schnell bewegen? Was BIST du? Die Antwort darauf ist ein Geheimnis, das niemals gelüftet werden darf. Doch Katy bringt Daemon vom ersten Tag an aus der Fassung. Er will ihr nahe sein, aber diese Schwäche kann er sich nicht erlauben. Sich in Katy zu verlieben würde nicht nur sie in Gefahr bringen – es könnte auch das Ende der Lux bedeuten.


- Obsidian: Schattendunkel (Teil 1, Katy) 
- Oblivion: Lichtflüstern (Teil 1, Daemon)
- Onyx: Schattenschimmer (Teil 2, Katy) 
- Oblivion: Lichtflimmern (Teil 2, Daemon)
- Opal: Schattenglanz (Teil 3, Katy) 
- Oblivion: Lichtflackern (Teil 3, Daemon)
- Origin: Schattenfunke (Teil 4, Katy) 
- noch unbekannt (Teil 4, Daemon)
- Opposition: Schattenblitz (Teil 5, Katy) 
- noch unbekannt (Teil 5, Daemon)
Die Geschichte wird vollständig aus beiden Perspektiven erzählt. Um Dinge mit Katy zu entdecken und Überraschungen zu erleben, würde ich jedoch empfehlen, zuerst alle Bücher aus ihrer Perspektive zu lesen.


Lautlos und viel zu schnell für das menschliche Auge bewegte ich mich in meiner wahren Erscheinungsform zwischen den Bäumen hindurch, jagte über das dichte Gras und die feuchten, mit Moos bewachsenen Steine.
(Seite 7)


Kann Spoiler bezüglich der Bücher aus Katys Perspektive enthalten!

Wow. Was war das denn!? Ich hatte die Lux-Reihe als eine Jugendbuch-Fantasy-Reihe im Kopf. Mit diesem Buch habe ich allerdings nur stumpfe Erotik zu lesen bekommen. Der häufigste Satz des Buches befasst sich mit Katys für ihre Körpergröße unglaublich langen Beinen. Hin und wieder werden auch ihre Kurven und ihre Brüste angesprochen, aber um die Erwähnungen ihrer langen Beine zu zählen, hatte ich irgendwann nicht mehr genug Finger. Bei jeder Gelegenheit starrt Daemon sie an und lässt sich gedanklich über ihren wunderbaren Körper aus. Das gipfelt dann darin, dass der Gedanke an sie ihn mehrfach so erregt, dass er eine kalte Dusche braucht oder eine „lange Nacht“ vor sich hat, wie die Autorin es so schön ausdrückt. Für Gefühle und die schöne Liebesgeschichte war kein Platz mehr in Daemons lustvernebeltem Hirn.

Leider hat dieser Erotik-Teil nicht nur die Liebesgeschichte ersetzt, sondern überhaupt die ganze Geschichte. Es stellt sich nämlich ziemlich schnell heraus, dass Daemon kein Hobby hat. Das Buch beginnt während der Ferien und Daemon hat absolut gar nichts zu tun. Er isst und schläft. Die restliche Zeit verbringt er damit, Katy anzustarren, anzuschmachten und wie ein Stück Fleisch anzusabbern, sobald sie nebenan eingezogen ist. Besonders zu Beginn beobachtet er sie ständig heimlich durch den Vorhang und findet es sogar noch schade, dass er sie nur vollständig bekleidet in ihrem Zimmer sieht. Dann beginnt er langsam, ihr eine Lüge nach der anderen aufzutischen, um Zeit mit ihr zu verbringen – vorzugsweise wenig bekleidet. Und wenn sie gerade nicht nahe genug ist, um sie zu beobachten, dann denkt er eben daran, wie sie aussieht, wie unglaublich lang ihre Beine sind und so weiter. Mehr tut er nicht.
Grundsätzlich hatte ich es für eine schöne Idee gehalten, die Bücher auch aus Daemons Perspektive zu erzählen, weil es dadurch tieferen Einblick in das Leben der Lux geben würde. Da habe ich mich aber getäuscht, denn die Autorin schien überhaupt keine Vorstellung zu haben, was die Lux eigentlich machen, wenn sie nicht gerade gegen Arum kämpfen. Hätte Daemon wenigstens ein einziges Hobby gehabt oder auch nur ein einziges Mal die Kolonie besucht, wäre das Buch deutlich erträglicher zu lesen gewesen.

Minimal besser wird die Geschichte, als nach mehr als der Hälfte endlich die Handlung anfängt. Wer sich an „Obsidian: Schattendunkel“ erinnert, wird noch wissen, dass Katy am Anfang hauptsächlich damit beschäftigt ist, in Ketterman anzukommen, sich einzurichten und die Umgebung kennenzulernen. Auch in „Oblivion: Lichtflüstern“ nehmen diese Aktivitäten ungefähr 200 Seiten ein. Nur dass Daemon Katy natürlich nicht begleitet, sondern Zuhause sitzt, sie heimlich beobachtet oder an ihre langen Beine denkt. Als mit dem Ausflug in den Wald und dem Angriff des Arum die Handlung auch für Daemon endlich in Schwung kommt, wird sein Schmachten zumindest hin und wieder kurz unterbrochen. Leider fehlt den Handlungsbruchstücken jegliche Tiefe. Sie werden schnell und oberflächlich abgehandelt, damit sich Daemon schnellstens wieder mit Katys heißem Körper befassen kann. Es ist zwar eine gute Idee, dass das Buch nicht identisch zu „Obsidian: Schattendunkel“ ist, da Szenen weggelassen oder ergänzt werden, aber eine einfache Nacherzählung aus der anderen Perspektive hätte mir deutlich besser gefallen als diese verkorkste Alternative.


Das Buch hat mich auf ganzer Linie enttäuscht, weil es die schöne Geschichte komplett verhunzt. Daemon hat kein einziges Hobby und die Autorin hat sich auch nicht die Mühe gemacht, ihn in die Kolonie zu schicken, sodass es keinerlei weiterführende Informationen über die Lux gibt. Stattdessen verbringt Daemon die erste Hälfte des Buches ausschließlich damit, Katy anzustarren, an ihre unglaublich langen Beine zu denken und sich anschließend um seine Erektion zu kümmern. Die zweite Hälfte verläuft genauso, allerdings hin und wieder kurz unterbrochen durch Handlungsbruchstücke, die kurz oberflächlich abgearbeitet werden. Einzig Katys frecher Dickkopf war eine kleine Erheiterung. Dafür bekommt „Oblivion: Lichtflüstern“ gerade noch die zweite Schreibfeder.

Kommentare:

  1. Huhu Jenny,

    die Rezension von dir, war wirklich unglaublich amüsant. Vor kurzem habe ich auch endlich "Oblivion" gelesen und dabei ähnliche Gedanken gehabt, wie du. Mir hat es gut gefallen, dass es die ein oder andere neue Szene gab. Allerdings hatte ich ebenso das Gefühl, dass Daemons Perspektive noch mehr Potenzial geboten hätte. So wie du das bereits beschrieben hast, eben zum Beispiel durch ein Hobby oder Ähnlichem.

    Bei seinen Gedanken zu Katy, muss ich dir auch recht geben. Was ich aber viel seltsamer fand, war seine Stalker-Ader. xD Trotzdem ist es mir nicht SO sehr "aufgefallen", da ich bereits in der "Obsidian"-Reihe (spätestens ab dem 2. Band) das Gefühl hatte, dass es doch sehr in Richtung Erotik geht. ö.ö An sich, würde ich bei deinen Worten zustimmend nicken.

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

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    1. Hey Leni,

      es freut mich, dass zumindest meine Rezension für Erheiterung sorgen konnte. :D Das Buch hat es nämlich ganz sicher nicht. Ich halte mich ja schon für hobbylos, aber Daemon hat dem echt die Krone aufgesetzt.

      Mir war auch in der "Obsidian" Reihe schon klar, dass es im Grunde eigentlich um die Liebesgeschichte geht und so ein bisschen Fantasy drum herum gebastelt ist, aber trotzdem fand ich das da noch schön zu lesen. Da konnte ich die Schmachterei durchaus mal ignorieren, weil es dann ja mit der Handlung weiter ging. Nur "Oblivion" hatte ja leider irgendwie nicht so richtig Handlung. Es gab nur lange Beine. Unendlich lange Beine...

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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