Dienstag, 29. August 2017

[Rezension] Die unendliche Geschichte – Michael Ende


Titel: Die unendliche Geschichte
Autor: Michael Ende
Verlag: Thienemann
Erscheinungsdatum: 01. Januar 1979
Einband: Hardcover
Seiten: 480
ISBN: 978-3-522176-84-2
Preis: 19,99 € [D]


Bastian Balthasar Bux gerät in einem Antiquariat an ein Buch, das ihn auf magische Weise anzieht: Die unendliche Geschichte. Er stiehlt es und liest auf dem Schulspeicher vom grenzenlosen Reich Phantásien, in dem sich auf unheimliche Weise das Nichts immer weiter ausbreitet. Ursache dafür ist die Krankheit der "Kindlichen Kaiserin", die einen neuen Namen braucht, um gesund zu werden. Den kann ihr aber nur ein Menschenkind geben. Bald merkt Bastian, dass er mehr und mehr in die Handlung um den jungen Krieger Atréju und dessen Aufgabe, ein solches Menschenkind zu finden, hineingerät. Sollte er selbst jenes Menschenkind sein?


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Diese Inschrift stand auf der Glastür eines kleinen Ladens, aber so sah sie natürlich nur aus, wenn man vom Inneren des dämmerigen Raumes durch die Scheibe auf die Straße hinausblickte.
(Seite 4)


Wie es von einem Buch von Michael Ende nicht anders zu erwarten war, ist die Geschichte über alle Maßen fantasievoll. Die Welt Phantásien, in der ein Großteil der Geschichte spielt, ist vielfältig und detailreich beschrieben. Es gibt jede Menge unterschiedliche Länder, in denen viele verschiedene Völker leben. Dabei handelt es sich größtenteils um Wesen, die außerhalb dieses Buches wohl nicht existieren. Leider hat der Autor es, meiner Meinung nach, irgendwann ein wenig übertrieben mit der Fantasie. Es fiel mir immer schwerer, mich auf noch ein neues, verrücktes Wesen einzulassen. Und die Masse an Namen, die nicht nur Länder und Völker, sondern natürlich auch einzelne Individuen haben, hat mich schlichtweg erschlagen. Da ist überhaupt nichts von hängen geblieben. Manchmal waren das so ellenlange Buchstabenkombinationen, dass ich sie nicht einmal aussprechen konnte.

Ähnlich ging es mir auch mit der Handlung. Sie war durchaus spannend und der Aspekt der Geschichte in der Geschichte in der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Hin und wieder gab es zudem überraschende Wendungen und die Auflösung verlief anders als gedacht. Oberflächlich fand ich die Handlung daher sehr interessant. Sobald ich versucht habe, sie nachzuvollziehen, bin ich allerdings an meine Grenzen gestoßen. Die Geschichte ist so mystisch und fantastisch und verrückt und abgedreht, dass der Versuch, sie logisch zu verstehen, hoffnungslos ist. Mir blieb also nichts anderes übrig, als viele Entwicklungen, die schlichtweg über meinen Verstand gingen, einfach hinzunehmen. Zudem hatte das Buch in der Mitte einen ordentlichen Hänger. Da hatte ich zum Teil das Gefühl, dass „Die unendliche Geschichte“ tatsächlich unendlich ist. Es ging einfach nicht vorwärts, während sich ein kreativer Erguss des Autors an den anderen gereiht hat.

Am meisten gestört haben mich jedoch die unzähligen losen Fäden, die ganz bewusst geschaffen und dann ignoriert werden. Immer wenn eine Figur sich aus der Handlung verabschiedet, werden grobe Andeutungen über die großen Leistungen und künftigen Abenteuer der Figur gemacht. Aber statt es einfach auf den Punkt zu bringen, bleiben die Aussagen vage und der Autor speist den Leser jedes Mal mit dem Satz "Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden." ab. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Dutzend Male ich diesen Satz lesen musste. Dadurch ist mit dem Ende des Buches zwar Bastians Geschichte abgeschlossen, aber sämtliche Nebencharaktere hängen noch in der Luft, sodass es trotzdem ein unbefriedigendes Ende ist.


Im Großen und Ganzen hat mich das Buch enttäuscht. Die Geschichte ist wirklich fantasievoll und reich an allen denkbaren und undenkbaren Wesen. Leider war sie irgendwann so voll gestopft mit Ländern, Völkern und Figuren mit ellenlangen, unaussprechlichen Namen, dass davon einfach überhaupt nichts hängen geblieben ist. Zudem sind die fantastischen Ergüsse so verworren, dass ich die Handlung teilweise nicht mehr nachvollziehen konnte. Anfangs und am Ende ist sie trotzdem spannend, aber in der Mitte schien sie mir unendlich. Am meisten hat mich aber gestört, dass der Autor jeden Nebencharakter mit einem losen Faden und neugierig machenden Andeutungen verabschiedet hat, ohne später noch einmal darauf einzugehen. „Die unendliche Geschichte“ war damit nett, mehr aber auch nicht, und bekommt dafür drei Schreibfedern.

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