Montag, 31. Juli 2017

[Rezension] Der Prinz der Elfen – Holly Black


Titel: Der Prinz der Elfen
Autor: Holly Black
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 03. April 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 407
ISBN: 978-3-570164-09-9
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Die Geschwister Hazel und Ben leben in Fairfold, einem Ort, der an das Elfenreich grenzt. Seit Jahrzehnten schläft dort, mitten im Wald, ein Elfenprinz in einem gläsernen Sarg – von Touristen begafft und von der Bevölkerung argwöhnisch beäugt. Auch wenn Hazel und Ben die alten Geschichten nicht glauben, vertrauen sie dem schlafenden Jungen all ihre Geheimnisse an.
Inzwischen ist Hazel sechzehn und rechnet nicht mehr damit, dass der Prinz aufwacht. Doch als der Sarg eines Tages leer ist, steht ihre Welt Kopf. Plötzlich finden sich die Geschwister in einem Machtkampf wieder, bei dem Hazel die Rolle annehmen muss, die sie schon als Kind erträumt hat: als Ritter gegen ein Monster kämpfen ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Es hat ewig gedauert, bis ich endlich in Stimmung war, um dieses Buch zu lesen. Leider hat diese Motivation dann gleich am Anfang auch wieder einen Dämpfer erlitten, denn der Einstieg in die Geschichte ist mir nicht wirklich gelungen. Im Klappentext werden die Verhältnisse klar dargestellt: Menschenort, Elfenreich. Im Buch selbst wird jedoch alles verschwommen und undeutlich geschildert. Es gab kaum Erklärungen zu den Elfen, ich konnte mir keine richtige Vorstellung von ihrer Lebensweise machen und wann und warum Elfenmagie an welchen Orten wirkt, ist auch nicht greifbar erläutert gewesen. Die Menschenwelt und die Elfenwelt flossen einfach irgendwie ineinander.

Geholfen hat auch nicht, dass ich in der Geschichte selbst lange keinen roten Faden entdecken konnte. Die Handlung plätscherte vor sich hin, ohne dass es wirklich etwas zu berichten gegeben hätte. Dazu kam dann auch noch eine verwirrend Erzählweise. Meist ist Hazel die Protagonistin, der der Erzähler folgt, doch wenn es gerade passt, wechselt die Perspektive auch schon mal mitten im Kapitel auf eine andere Figur. Viele Zeitsprünge gibt es zu Beginn auch, denn statt Voraussetzungen für aktuelle Gegebenheiten erklären, springt das Buch immer zu der jeweiligen Zeit zurück und lässt die Handlung praktisch „live“ ablaufen. Für all diese Sprünge in der Zeit oder der Perspektive gibt es keinerlei Markierung, das ist lediglich dem Text selbst zu entnehmen. Neben der schwammigen Konstruktion der Welt hat mich die Erzählweise damit noch zusätzlich verwirrt.

Mit der Zeit, als dann endlich die aktuelle Handlung ins Rollen kam, ist das Buch dann aber immer besser geworden. Es kam Spannung auf, denn außer dem verschwundenen Prinzen regt sich auch noch ein altes, geheimnisvolles Monster im Wald. Dieses Monster greift Fairfold und seine Bewohner immer wieder an, während diese sich alle Mühe geben, die offensichtlich übernatürlichen Ereignisse zu ignorieren oder umzuinterpretieren. Daraus ergeben sich mehrere Rätsel, die teilweise wirklich überraschend aufgelöst werden. Je mehr sich die Handlung entfaltet hat, desto mehr konnte mich da Buch mitreißen. Insbesondere das Ende fand ich dann sogar richtig gelungen.

Die Konzeption der Charaktere hat mir ebenfalls sehr gefallen. Das Buch beinhaltet eine märchenhafte Geschichte mit Prinzen und Rittern, ohne dabei die gängigen Klischees zu bedienen, denn Mädchen und Jungen scheinen so ein bisschen die Rollen zu tauschen. Rollen, Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen entsprechen nicht den üblichen Vorstellungen. Dadurch war das Buch in dieser Hinsicht wunderbar erfrischend. Das gilt auch für die obligatorischen Liebesgeschichten, bei denen es ausnahmsweise keine Dramen, Missverständnisse und Liebesdreiecke gibt. Alles ist, wie es scheint, oder kommt, wie vermutet, sodass der Fokus des Buches auf der Handlung liegt und nicht auf den Irrungen und Wirrungen jugendlicher Liebe.

Fazit:
Der Einstieg in die Geschichte ist mir schwer gefallen. Am Anfang fehlt der rote Faden, die Handlung plätschert vor sich hin und immer wieder wird in der Zeit oder der Perspektive gesprungen. Außerdem ist die Welt schwammig konzipiert und es fehlen häufig Erklärungen. Als die Handlung dann in Schwung kam, wurde das Buch aber immer besser. Es gab spannende Stellen und überraschende Erkenntnisse. Die Charaktere brechen aus den gängigen Rollen aus und es wird auf Liebesdramen verzichtet. „Der Prinz der Elfen“ bekommt für eine misslungene erste und eine überzeugende zweite Hälfte insgesamt drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim cbt Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 29. Juli 2017

[Rezension] Die Achse meiner Welt – Dani Atkins


Titel: Die Achse meiner Welt
Autor: Dani Atkins
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 01. August 2014
Einband: Softcover
Seiten: 316
ISBN: 978-3-426515-39-6
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Rachels Leben ist perfekt: Sie hat einen gutaussehenden Freund, einen großen Freundeskreis und wird in wenigen Wochen ihr Studium beginnen. Doch dann geschieht dieser schreckliche Unfall, der ihr alles nimmt, was sie liebt. Rachel zieht sich voller beklemmender Schuldgefühle zurück – denn sie hat nur überlebt, weil ihr bester Freund Jimmy ihr das Leben rettete und dafür mit seinem eigenen bezahlte.
Die Hochzeit ihrer engsten Freundin lässt Rachel nach fünf Jahren um ersten Mal an den Ort der Tragödie zurückkehren. Aber die Erinnerungen sind zu viel für Rachel, und sie bricht zusammen. Als sie im Krankenhaus erwacht, traut sie ihren Augen nicht. Ihr Leben ist plötzlich genau so, wie sie es sich immer erhofft hat: Sie hat einen Traumjob und ist verlobt. Und neben ihrem Bett steht Jimmy – kerngesund und mit seinem schönsten Lächeln.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch habe ich ewig vor mir her geschoben, weil solche Romane eigentlich nicht ganz meinem typischen Lesegeschmack entsprechen. Nachdem ich dann letztens noch mal den Klappentext gelesen habe, dachte ich aber: Mensch, eigentlich klingt das sogar echt interessant! Also habe ich das Buch endlich in Angriff genommen. Der flüssige Schreibstil hat das Lesen leicht gemacht. Leider ist das auch schon der einzige Punkt, der mir an dem Buch gefallen hat. Meine Befürchtung, dass es mir nicht gefallen würde, sich nämlich ziemlich schnell bestätigt. Denn schon das erste Kapitel war, gelinde gesagt, grauenhaft.
Es handelt sich bei dem Kapitel um einen Rückblick auf den Abend des Unfalls. Protagonistin Rachel führt die Figuren und Beziehungen ein und ist rundum glücklich in ihrer absoluten Naivität. Denn es ist wirklich unmöglich zu übersehen, wer tatsächlich „heimlich“ Gefühle für wen hat, wer davon weiß und wer deswegen eifersüchtig ist. Rachel hat nicht den Hauch einer Ahnung, während es tatsächlich aber nur noch offensichtlicher hätte sein können, wenn die Figuren es wortwörtlich gesagt hätten. Gleiches gilt für den Unfall, dessen genauer Ablauf schon viele Seiten vorher durch überdeutliche Hinweise angekündigt wird. Die eigentliche Beschreibung des Unfalls war dann auch noch dermaßen unrealistisch, dass ich das Buch am liebsten direkt wieder zur Seite gelegt hätte. Selten habe ich mich schon so früh so sehr über ein Buch geärgert.

Leider war das dann auch der einzige Moment, der in irgendeiner Art und Weise Emotionen in mir hervorrufen konnte. Inhaltlich hat die Geschichte das nie geschafft. Zum einen war mir keine Figur sympathisch genug, um mich mit ihr zu identifizieren, zum anderen war die gesamte Geschichte einschließlich des Endes vorhersehbar. Und insbesondere das Ende, das viele Leser zu Tränen gerührt hat, war für mich das fröhlichste Ende, das ich mir ausmalen konnte. Daher war ich das ganze Buch über weit davon entfernt, an Tränen auch nur zu denken.

Neben der Emotionalität fehlte es der Handlung aber auch an Inhalt und an Spannung. Die wenigen Entwicklungen, die es überhaupt gibt, sind so vorhersehbar gewesen, dass sie mich kein bisschen packen konnten. Zusätzlich dazu, dass im Grunde vom ersten Kapitel an der Rest der Handlung offensichtlich ist, gibt die Autorin auch noch jedes Mal, bevor etwas geschieht, viele deutliche Hinweise. Das hat keinerlei Spannung aufkommen lassen und das Nachgrübeln über eine Lösung überflüssig gemacht.
Dazu trägt auch bei, dass das Buch im Grunde kaum Handlung hat. Die Geschichte drehte sich ständig im Kreis, Szenen wiederholten sich immer wieder und die meiste Zeit befasst sich Rachel ohnehin mit den Gefühlen der diversen Charaktere, die schon im ersten Kapitel mehr als deutlich gemacht wurden. Nur sie als Protagonistin hat da leider überhaupt keinen Durchblick. Jedes Mal, wenn die Tatsachen ihr ins Gesicht gesagt oder vor Augen geführt werden, war ich erleichtert, dass die Handlung sich dann endlich würde weiterentwickeln können. Aber irgendwie hat Rachel es geschafft, sich jedes Mal einzureden, dass das nicht die Wahrheit ist. Und dann ging der Kreislauf wieder von vorne los. Das hat mich in die Verzweiflung getrieben. Bis am Ende dann alle Entwicklungen, die möglich gewesen wären, schnell noch auf die wenigen letzten Seiten gequetscht wurden.

Fazit:
Obwohl der Klappentext interessant klang, war das Buch überhaupt nicht mein Ding. Über das erste Kapitel, das gleichermaßen unrealistisch wie vorhersehbar war, habe ich mich maßlos geärgert. Anschließend habe ich mich durch die Geschichte gelangweilt, weil sich die Handlung ständig im Kreis drehte, jegliche Emotionalität fehlte, jede Entwicklung offensichtlich und das Ende von Anfang an vorhersehbar war. Einzig der Schreibstil hat mir gefallen, weil sich das Buch dadurch wenigstens schnell und flüssig lesen ließ. Dafür bekommt „Die Achse meiner Welt“ gerade noch so die zweite Schreibfeder.

Freitag, 28. Juli 2017

[Rezension] Family don't end with blood – Lynn S. Zubernis [Hrsg.]


Titel: Family don't end with blood
Herausgeber: Lynn S. Zubernis
Verlag: Smart Pop
Erscheinungsdatum: 09. Mai 2017
Einband: Softcover
Seiten: 248
ISBN: 978-1-944648-35-0
Preis: 12,78 € [D]

Klappentext:
Supernatural, a three-time People's Choice Award winner for Favorite Sci-Fi / Fantasy TV Show and Tumblr's 2015 Most Reblogged “Live Action TV“, has made a name for itself by supporting and encouraging its fans to “always keep fighting” and a memorable line from early in the show's run, “Family don't end with blood”, became an inspiring mantra for many who found community in the fandom.
In 25 powerful chapters written by Supernatural's actors and fans, including series lead Jared Padalecki, plus special messages from Jensen Ackles, Misha Collins, and Mark Sheppard, Family Don't End with Blood: Cast and Fans On How Supernatural Has Changed Lives examines the far reach of the show's impact for more than a decade. Supernatural has inspired fans to change their lives, from getting “sober for Sam” to escaping a cult to pursuing life-long dreams. But fans aren't the only ones who have been changed. The actors who bring the show to life have also found, in the show and its community, inspiration, courage, and the strength to keep going when life seemed too hard.
Collected and edited by Lynn S. Zubernis, a clinical psychologist, professor, and passionate Supernatural fangirl, Family Don't End with Blood provides an insightful and often uplifting look into the way international fan communities become powerful, positive forces in the lives of so many.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Dieses Buch war gleichzeitig genial und anstrengend. Anfangs war ich skeptisch, ob es für mich mehr als eine Informationsquelle sein würde, weil Supernatural mein Leben nicht wesentlich verändert hat. Jetzt kann ich sagen, dass das Buch mich sehr berührt hat. Mehrfach kamen mir die Tränen, das erste Mal auf Seite 10 – im Vorwort! Endgültig vorbei war es dann bei Jareds Kapitel. Da habe ich wirklich Rotz und Wasser geheult. Neben der Traurigkeit hat das Buch jedoch auch Liebe, Stärke und Zuversicht angesprochen. Jedes Mal, wenn die Kraft unserer Gemeinschaft beschrieben wurde, hatte ich Gänsehaut. Das Buch ist wirklich sehr emotional, ohne dabei dauerhaft auf die Stimmung zu drücken.

Besonders gefallen hat mir, dass da Buch von Anfang an die Liebe, die Gemeinschaft und die Begeisterung perfekt eingefangen hat. Mit diesen Aspekten, der Bewegung und der Macht des Fandoms, konnte ich mich identifizieren. Immer, wenn diese Aspekte beschrieben wurden, dachte ich: „Ja! Genau so!“ Das hat das Buch für mich lesenswert gemacht, obwohl ich persönlich mich mit den Monstern und Dämonen der verschiedenen Autoren nicht identifizieren kann. Obwohl ich keine psychische Störung habe, in einer liebevollen Familie aufgewachsen bin und all meinen Träumen nachjagen kann, habe ich mich trotzdem mit den Berichten verbunden gefühlt. Das bedeutet, dass das Buch nicht nur Hoffnungsträger für alle Fans mit harten Kämpfen sein kann, sondern auch allen anderen das Gefühl gibt, durch und durch verstanden zu werden. Es ist damit absolut empfehlenswert für jeden Fan der Serie.

Neben all der Genialität war das Buch allerdings auch anstrengend zu lesen, nicht nur emotional, sondern auch kognitiv. Da ich Biografien normalerweise nicht lese und dieses Buch im Grunde ja nichts anderes ist als ein Zusammenschnitt aus 25 Biografien, war es mir unmöglich, es an einem Stück zu lesen. Irgendwann konnte ich den Autoren einfach nicht mehr die Aufmerksamkeit entgegen bringen, die ihre Berichte verdient haben. Das liegt auch mit daran, dass obwohl es um Süchte, Ängste, Schüchternheit, Depressionen, Aufopferung für andere, Sekten und noch viele weitere Dinge geht, grundsätzlich alle Personen dasselbe gesagt haben. Für ebenfalls Betroffene mag es wichtig sein, sich nicht allein zu fühlen, aber für mich waren die Detail der persönlichen Schicksale zu weit weg als dass ich sie 25x hintereinander hätte lesen können. Deshalb musste ich das Buch in vielen kleinen Stücken lesen, obwohl ich trotzdem neugierig war, was die folgenden Personen zu berichten hatten. Meine Aufmerksamkeit hat es einfach nicht hergegeben, mehr als drei Kapitel am Stück zu lesen.

Fazit:
Ich war skeptisch bezüglich des Buches, weil Supernatural mein Leben nicht verändert hat und ich auch kein Ultra-Fangirl bin. Im Nachhinein finde ich es empfehlenswert für jeden Fan der Serie. Es fängt die Stimmung und die Gemeinschaft perfekt ein, unabhängig von den Einzelschicksalen. Außerdem ist es wahnsinnig emotional. Ich habe Bestärkung genauso verspürt wie ich hemmungslos geheult habe. Da das Buch wie ein Zusammenschnitt aus 25 sehr ähnlichen Biografien ist, war die Kapazitätsgrenze meiner Aufmerksamkeit aber leider ziemlich schnell erreicht, sodass ich es in vielen kleinen Stücken lesen musste. „Family don't end with blood“ bekommt daher vier Schreibfedern von mir.

Dienstag, 25. Juli 2017

[Rezension] Nightmares: Die Stadt der Schlafwandler – Jason Segel und Kirsten Miller


Titel: Nightmares – Die Stadt der Schlafwandler
Autor: Jason Segel und Kirsten Miller
Verlag: Dressler
Erscheinungsdatum: 19. November 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 379
ISBN: 978-3-791519-48-7
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
Albträume können einem wirklich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Verständlich, dass auch die Bewohner des Nachbarstädtchens Orville Falls begeistert sind, als der neue Kräuterladen im Ort ein Elixier gegen ihre allgegenwärtigen Albträume anbietet. Doch kann es sein, dass das Elixier schaurige Nebenwirkungen hat? Plötzlich geistern die Bewohner wie Schlafwandler durch die Stadt. Charlie weiß: Wenn er und seine Freunde nicht schnell etwas unternehmen, schwebt nicht nur das Traumreich, sondern auch die wache Welt in schrecklicher Gefahr.

Einordnung:
- Die Stadt der Schlafwandler (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nachdem ich den ersten Teil der Reihe vor einer Ewigkeit gelesen habe, war ich sehr neugierig darauf, wie die Geschichte weitergehen würde. Jetzt habe ich es endlich geschafft, den zweiten Band zu lesen. Es hat sich gelohnt! Die Albträume an sich haben zwar ihren Schrecken verloren, seit Charlie weiß, dass er sich ihnen stellen muss, und außerdem viele Nachtmahre kennt, doch die Geschichte ist trotzdem spannend.

Das Elixier, das die Einwohner von Orville Falls schlucken, macht zu Schlafwandlern. Damit verhindert es, dass die Menschen träumen. Das nicht mehr besuchte Traumreich löst sich in eine weiße Wolke auf und das äquivalente Stück im Albtraumland verschwindet in einem schwarzen Loch. Damit sind neben Charlies menschlichen Freunden auch die Nachtmahre in Gefahr, mit denen er sich angefreundet hat. Charlie muss an allen drei Orten gleichzeitig helfen und ich habe lange mit ihm gerätselt, wer denn eigentlich dahinter steckt. Leider wurde diese Frage, wie auch einige andere, bis zum Schluss nicht so richtig aufgelöst. Damit werde ich mich also bis zum dritten Teil gedulden müssen.

Genau wie der erste Band war auch das zweite Buch zum Teil wieder sehr emotional. Dabei hat mich, wie schon im ersten Teil, vor allem Charlies Wut mitgerissen. Diesmal richtet sie sich nicht gegen seine Stiefmutter, sondern gegen seinen kleinen Bruder Jack. Jack ist witzig und charmant und jede Figur schließt ihn sofort ins Herz. Er übertrumpft Charlie ständig in jeder Hinsicht. Und er ist ein so besonderer Junge, dass selbst die ungewöhnlichste Anstrengung, die sein Bruder unternimmt, Charlie bloß als durchschnittlich und normal dastehen lässt. Wie gekränkt, verletzt und wütend Charlie ist, hat der Autor so eindrücklich beschrieben, dass ich Jack wirklich gehasst habe. Als Kinderbuch kann die Geschichte so eine Botschaft natürlich nicht vermitteln, deshalb findet sich noch eine Lösung, aber am Anfang hat mich die Geschichte emotional wirklich mitgenommen.

Fazit:
Der zweite Band der Reihe ist auch wieder spannend. Die Handlung verteilt sich über die wache Welt, das Traumreich und das Albtraumland, da Charlie an allen drei Orten gleichzeitig Gefahren beseitigen muss. Es ist außerdem lange unklar, wer dahinter steckt. Das wird leider bis zum Schluss auch nicht so ganz aufgelöst. Auch emotional hat mich das Buch besonders am Anfang wieder mitgerissen. Der Autor hat Charlies Gefühle so eindrücklich beschrieben, dass er mich tatsächlich dazu gebracht hat, einen Neunjährigen zu hassen. „Nightmares: Die Stadt der Schlafwandler“ war schön zu lesen und bekommt daher vier Schreibfedern von mir.

Samstag, 22. Juli 2017

[Rezension] Die Dämonenakademie: Wie alles begann – Taran Matharu


Titel: Die Dämonenakademie – Wie alles begann
Autor: Taran Matharu
Verlag: Heyne fliegt
Erscheinungsdatum: 09. Mai 2017
Einband: eBook
Seiten: 97
ISBN: 978-3-641203-96-2
Preis: 1,99 € [D]

Klappentext:
Die Dämonenakademie - Wie alles begann“ erzählt die Geschichte von Arcturus, der später einmal der größte Dämonenmagier seiner Zeit werden soll. Schon als kleiner Junge hat Arcturus seine Familie verloren und schlägt sich eher schlecht als recht als Stalljunge durchs Leben. Doch dann bemerkt er eines Tages, dass er die seltene Gabe besitzt, Dämonen zu beschwören. Arcturus wird Schüler der geheimnisvollen Dämonenakademie – und das größte Abenteuer seines Lebens beginnt.

Einordnung:
- Wie alles begann (Kurzgeschichte, Prequel)
- Der Erwählte (Teil 1) 
- Die Inquisition (Teil 2) 
- Die Prophezeiung (Teil 3, erscheint im Januar 2018)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile der Reihe enthalten!

Das Buch ist eine spannende Vorgeschichte zu den Ereignissen in der Reihe. Obwohl viel weniger Platz für Beschreibungen war, hat der Autor dieselbe Atmosphäre geschaffen, die mich auch bei den Büchern um Fletcher begeistert hat. Dadurch fand ich die Kurzgeschichte durchaus mitreißend, obwohl der inhaltliche Verlauf bereits bekannt war. Trotzdem hat der Autor auch neue Informationen untergebracht, beispielsweise wie es überhaupt dazu kam, dass nicht mehr nur anerkannte Sprösslinge der Adelsfamilien die Akademie besuchen dürfen. Außerdem wurden einige weitere Einblicke in den Unterricht gegeben, insbesondere bezüglich der Ausflüge in den Äther. Das ergab eine schöne Mischung aus bekannten und neuen Inhalten.

Mir hat außerdem gefallen, dass das Buch nicht nur Arcturus Geschichte erzählt, sondern auch die anderer bekannter Figuren. Beispielsweise spielen die spätere Hauptfrau Lovett, der brutale Raubler und der spätere König Harold eine Rolle. Sie alle als Kinder und Jugendliche zu sehen war sehr interessant. Damit werden die Hintergründe beleuchtet zu einigen in der Reihe vorkommenden Streitigkeiten und anderen Entwicklungen.

Allerdings kommen wegen der Kürze der Geschichte nicht allzu viele Beschreibungen der Personen oder detailliertere Hinweise zu ihnen vor. Dadurch konnte ich nicht mit jeder Figur etwas anfangen. Einige Namen kamen mir bekannt vor, ohne dass ich sie einer Figur aus der Reihe hätte zuordnen können, andere Namen wiederum sagten mir gar nichts. Zum Teil ist das natürlich meinem Gedächtnis geschuldet. Nichtsdestotrotz waren es mir für die Kürze des Buches zu viele noch nicht persönlich aus der Reihe bekannte Personen, die ich nicht einmal im Ansatz kennen lernen konnte.

Fazit:
Diese Kurzgeschichte ist ein durchaus lesenswertes Prequel zur Reihe um Fletcher. Erzählt wird sie von Arcturus, aber es tauchen auch noch viele weitere bereits bekannte Personen und Dämonen auf. Dadurch werden einige Hintergründe der Ergebnisse der Reihe genauer beleuchtet. Außerdem hat der Autor durchaus auch neue Informationen in der Geschichte untergebracht. Damit war das Buch trotz der Kürze durchaus spannend. Leider waren es mir etwas zu viele Figuren ohne genauere Beschreibungen, die ich allein anhand des Namens teilweise nicht einordnen konnte. „Die Dämonenakademie: Wie alles begann“ bekommt daher vier Schreibfedern von mir.


Ich bedanke mich beim Heyne fliegt Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 19. Juli 2017

[Rezension] Liberty 9: Todeszone – Rainer M. Schröder


Titel: Liberty 9 - Todeszone
Autor: Rainer M. Schröder
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 25. März 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 540
ISBN: 978-3-570154-65-6
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Die Flucht aus Liberty 9 konfroniert Kendira und Dante endgültig mit der Wahrheit: dass sie in der prächtigen Lichtburg nur aufgezogen wurden, um für das Machtsystem ihrer Welt zu dienen – und zu sterben. Draußen im Wald verbünden sie sich mit den wilden Nightraidern, die sie früher für ihre Feinde hielten. Ihre Freunde in Liberty 9 zurückzulassen, kommt für sie jedoch keine Sekunde lang infrage. Aber wie sollen sie mit Pfeil und Bogen gegen die Hightech-Waffe der Guardians bestehen?
Und noch eine weitere Aufgabe wartet auf sie: der Weg zum so genannten Lichttempel, zu dem ein großer Teil der Electoren bereits verschleppt wurde. Und der führt mitten durch die gefürchtete Todeszone. Kendira, Dante und ihre Freunde wagen sich in die zerrütteten Städte der Dunkelwelt – und weit darüber hinaus.

Einordnung:
- Sicherheitszone (Teil 1) 
- Todeszone (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nachdem mich der erste Band der Reihe in jeglicher Hinsicht einfach nur enttäuscht hat, habe ich beschlossen, den zweiten Band direkt anzuschließen, um der Gefahr vorzubeugen, dass er für immer ungelesen in meinem Regal verstaubt. Wirklich gelohnt hat es sich jedoch nicht. Mir hat dieser zweite Teil zwar ein wenig besser gefallen als der erste Band, aber gemocht habe ich ihn trotzdem nicht.

Einen Vorteil, den das Buch wohl hatte, war die Tatsache, dass ich schon wusste, worauf ich mich einzustellen hatte. An die vielen englischen Begriffe war ich beinahe schon gewöhnt und die ausschweifenden Beschreibungen habe ich nur noch überflogen. Dabei hatte ich aber insbesondere am Anfang trotzdem mehrere Déjà-vus. Nachgeprüft habe ich es nicht, aber viele Abschnitte, sowohl Beschreibungen als auch Erklärungen oder Zusammenfassung der bisherigen Handlung, kamen mir extrem bekannt vor. In den ersten Kapiteln, in denen der Leser wieder in die Geschichte eingeführt wird, hatte ich das Gefühl, dass der Autor die Absätze per Copy und Paste aus dem ersten Buch übernommen hat. Ich habe das, wie gesagt, nicht überprüft, aber allein das Gefühl hat ausgereicht, dass ich die ersten Kapitel beinahe vollständig übersprungen habe. Es hat mir im ersten Teil schon nicht gefallen, denselben Inhalt mehrfach lesen zu müssen, da wollte ich mich beim besten Willen nicht durch wortwörtliche Wiederholungen arbeiten.

Genauso viele Schwierigkeiten wie im ersten Teil hatte ich mit den Charakteren. Das Buch wird wieder von einem allwissenden Erzähler erzählt, dabei springt die Perspektive diesmal aber zwischen Kendira, Dante und Duke hin und her. Leider habe ich bis zum Schluss zu niemandem einen Zugang gefunden, auch nicht zu den Nebencharakteren. Die einzige Figur, die leichte Emotionen in mir geweckt hat (in Form von Antipathie), war Carson. Im Vergleich zum ersten Band hat der Autor seinen Charakter vollkommen umgekrempelt und aus ihm eine Figur gemacht, mit der ich mich gar nicht weiter auseinander setzen wollte. Möglicherweise war das ein geplanter Schachzug, um niemanden mit der Auflösung des Liebesdreiecks zu enttäuschen. Kendiras Liebesgeschichte bleibt im Übrigen nicht die einzige – überall schießen Beziehungen aus dem Boden, die in meinen Augen jeglicher Grundlage entbehren. Hauptsache, am Ende ist niemand mehr allein.

Ein wenig besser gelungen als im ersten Teil fand ich dagegen die Spannung. Zwei- oder dreimal war ich tatsächlich milde überrascht. Das gilt zwar nicht für das Geheimnis um den Lichttempel und für die Identität der Person, die in Liberty 9 heimlich nachts durch den Wald geschlichen ist, weil sich da tatsächlich alles genau so herausgestellt hat, wie ich es schon seit Mitte des ersten Bandes offensichtlich fand, aber in der weiteren Entwicklung gibt es doch hin und wieder leichte Wendungen. Außerdem nimmt die Dramatik ein wenig zu, weil die Charaktere auf der Reise durch die Todeszone tatsächlich anfangen zu sterben. Es ist zwar schon nach dem ersten Todesfall offensichtlich, dass sie in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sterben – also die Personen, deren Name einmal erwähnt wurde, zuerst –, aber ob sie ihre Mission abgeschlossen haben würden, bevor der Tod die wichtigeren Charaktere erreicht, war tatsächlich nicht absehbar. Damit hat sich gegen Ende die Spannung ein bisschen gesteigert. Zumindest, bis die Geschichte dann einfach plötzlich mitten in der Handlung endet, als wäre dem Autor aufgegangen, dass er schon 540 Seiten geschrieben hat.

Fazit:
Das Buch hat mir nicht gefallen, aber es war besser als der erste Band. Leider waren auch hier die Charaktere wieder platt und die überall aus dem Boden schießenden Beziehungen hatten keinerlei Grundlage. Außerdem werden die Begebenheiten auch in diesem Buch wieder ausschweifend bis ins letzte Detail beschrieben. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass die Absätze wortwörtlich aus dem ersten Band kopiert sind. Der Großteil der Handlung war zudem wieder vorhersehbar und all meine Vermutungen haben sich bestätigt. Trotzdem gab es hin und wieder leichte Wendungen und gegen Ende kam etwas Spannung auf, da immer mehr Charaktere gestorben sind. Leider bricht die Geschichte dann mitten in der Handlung einfach ab, bevor es wirklich richtig spannend werden konnte. Insgesamt bekommt „Liberty 9 – Todeszone“ daher zwei Schreibfedern von mir.

Samstag, 15. Juli 2017

[Rezension] Liberty 9: Sicherheitszone – Rainer M. Schröder


Titel: Liberty 9 - Sicherheitszone
Autor: Rainer M. Schröder
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 27. August 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 490
ISBN: 978-3-570154-64-9
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Kendira beherrscht die Regeln. Liberty 9, das riesige Valley samt der beeindruckenden Lichtburg, in der 200 junge Auserwählte leben, ist ihr Zuhause. In völliger Abgeschiedenheit vom Rest der Welt und umgeben von undurchdringlichen Schutzanlagen, leben die so genannten Electoren nach einem vorgegebenen Tagesrhythmus: Morgenappell, Unterricht, hochkonzentrierte computeranimierte Trainings für Körper und Geist. Kendira glaube zu wissen, warum. Sie trainiert für einen höheren Zweck – doch nicht alle in Liberty 9 sind so privilegiert wie sie.
Der junge Dante hat keine Zukunft. Kendira darf er sich eigentlich gar nicht nähern, aber eine unwiderstehliche Anziehungskraft bringt die beiden zusammen. Dantes Zweifel am grausamen System machen auch Kendira misstrauisch – und bringen beide in größte Gefahr. Denn Liberty 9 ist sicher – todsicher.

Einordnung:
- Sicherheitszone (Teil 1)
- Todeszone (Teil 2)

Rezension:
Durch dieses Buch habe ich mich echt gequält. Schon auf der vierten Seite war mir klar, dass der Schreibstil und ich nicht zusammen passen. Und je mehr ich gelesen habe, desto schlimmer wurde es. Es fing damit an, dass der Autor, der Deutscher ist, von Anfang an wild mit englischen oder aus dem Englischen eingedeutschten Begriffen um sich geworfen hat. Kendira und die anderen Auserwählten heißen „Electoren“, die Diener werden „Servanten“ genannt und die Wächter sind die „Guardians“. Außerhalb von „Liberty 9“ hält sich zudem eine Rebellengruppe auf, die als „Nightraiders“ bezeichnet wird. Auf dem Gelände der Sicherheitszone befinden sich mehrere Gebäude, unter anderem das „Gym“ und die „Tube“. In der „Tube“ werden computeranimierte Spiele gespielt und bei jedem „Run“ hoffen alle Auserwählten, dass sie zum „Driver“ bestimmt werden. Zudem sind die Regeln in der Sicherheitszone wirklich hart und wer einen Verstoß dagegen begeht, dessen Gehirn wird mittels Elektrode bearbeitet, indem der Strom große Teile des Gewebes zerstört, sodass der Verurteilte entweder stirbt oder schwerste geistige Einschränkungen erfährt. Diese Straft wird „Cleansing“ genannt. Und das sind nur einige Beispiele für englische Begriffe, generell gibt es kaum einen Absatz, in dem nicht mindestens eines dieser Wörter vorkommt. Die Geschichte spielt zwar in den USA, aber da die Hälfte der sozialen Ränge und Gebäude ausschließlich deutsche Namen trägt, finde ich die vielen englischen Begriffe irgendwie inkonsequent.
Noch viel mehr Schwierigkeiten hatte ich jedoch mit den sich dauernd wiederholenden, übertrieben detaillierten Beschreibungen. Es ist keinerlei Fantasie notwendig, um sich die Sicherheitszone und die einzelnen Gebäude vorzustellen, denn alles wird bis ins letzte Detail beschrieben. Wenn die Charaktere einen neuen Raum betreten, erfolgen zuerst Beschreibungen der Wände, des Bodens, der Decke und der Möbel sowie aller anderen Dinge, die sich in diesem Raum befinden. Gleiches gilt jedoch auch für Orte unter freiem Himmel und überhaupt alles andere. Teilweise musste ich an die Schreibtipps denken, die überall im Internet für angehende Autoren zu finden sind: Benutze Adjektive! Das hat der Autor in dieser Geschichte wirklich nach Lehrbuch getan. Mir ist in den ellenlangen Beschreibungen leider häufig die Handlung verloren gegangen. Insbesondere, da es mit der ersten Beschreibung leider nicht vorbei war. Jede Person, jeder Ort und jedes Objekt hat mindestens ein charakteristisches Adjektiv zugewiesen bekommen, das jedes Mal genannt werden musste, wenn die Person, der Ort oder das Objekt genannt wurden. Besonders hat sich mir da die „hagere, asketische Gestalt“ des Primas Templeton eingebrannt. Als diese Wortkombination zum fünften Mal auftauchte, habe ich aufgehört zu zählen.

Diese Adjektive, die den Personen zugeordnet sind, sind außerdem beinahe die einzigen Eigenschaften, die die Charaktere haben. Ansonsten sind sie bis zum Schluss alle platt, emotionslos und stereotyp geblieben. Kendira ist zwar die Protagonistin, ihr Weg wird aber von einem allwissenden Erzähler begleitet, sodass es nur hin und wieder Einblicke in ihre Gefühle und Gedanken gibt. Neben ihr sind, natürlich, noch zwei Jungen wichtig: Dante, der aufregende, rebellische Diener, und Carson, der begabte, gut aussehende Auserwählte. Dass beide sich in Kendira verlieben und Kendira ebenfalls für beide Gefühle entwickelt, muss ich wohl kaum erwähnen. Viel mehr als diese prototypische Konstellation gibt es zu den Charakteren auch nicht zu sagen, denn das ist alles, was sie ausmacht. Vielleicht abgesehen davon, dass alle Auserwählten leichtgläubig, wankelmütig und manipulierbar sind. Denn die Argumente, die Dante für seine Zweifel am System äußert, sind so schwach, unbegründet und aus der Luft gegriffen, dass sie eigentlich niemanden überzeugen sollten, der von Geburt an mit allen Lügen und Manipulationen in der Sicherheitszone gelebt hat.

Damit sind auch schon zwei Punkte angesprochen, die dafür sorgen, dass im Grunde keinerlei Spannung aufkommt: Die Entdeckungen, die Dante macht, sind beim besten Willen nicht dramatisch genug, um sich darüber aufzuregen, und der allwissende Erzähler nimmt jede Szene, die Spannungspotenzial hätte, eindeutig vorweg. Außerdem sind auch die restlichen Elemente der Geschichte vorhersehbar. Für mich gab es keine einzige Überraschung in den 52 Kapiteln. In gewisser Weise ist das kein Wunder, denn dieser erste Band beantwortet keine einzige Frage, die in der Geschichte aufgeworfen wird. Der Leser wird gemeinsam mit den Charakteren in jeder Hinsicht auf den zweiten Teil vertröstet. Das wird dann allerdings wohl dazu führen, dass mich der zweite Band auch nicht fesseln kann, denn bei mehreren Aspekten, die dort hoffentlich endlich enthüllt werden, bin ich mir sicher, dass ich das jetzt schon weiß. Der erste Band der Reihe ist jedenfalls in jeder Hinsicht durchsichtig.

Fazit:
Durch das Buch habe ich mich gequält. Mit dem Schreibstil kam ich von Anfang an nicht zurecht. Die vielen englischen oder eingedeutschten Begriffe haben mich gestört. Außerdem waren die ellenlangen Beschreibungen so detailliert, dass die Handlung dazwischen verloren gegangen ist. Zudem sind die Adjektive, mit der eine Person oder ein Objekt beschrieben wurden, bei jeder Nennung der Person oder des Objekts ebenfalls wieder genannt worden, sodass das Buch fast nur aus ständigen Wiederholungen derselben Wortkombinationen besteht. Die platten, wankelmütigen Charaktere mit dem prototypischen Liebesdreieck konnte mich ebenfalls gar nicht ansprechen. Und die durchsichtige Handlung sowie der allwissende Erzähler, der immer alles schon vorher verraten hat, haben dem Buch jegliche Spannung geraubt. Als anstrengendes, plattes, langweiliges, vorhersehbares Buch bekommt „Liberty 9 – Sicherheitszone“ nur eine Schreibfeder von mir.

Donnerstag, 13. Juli 2017

[Aktion] Top Ten Thursday #27 | 10 Bücher, die du im Sommer 2017 lesen möchtest

Wie die letzten Male, habe ich mir auch diesmal angeschaut, wie erfolgreich ich denn bei meinen bisherigen Read-Next-Listen war. Traurigerweise habe ich die noch immer nicht alle abgearbeitet, obwohl sie echt schon ewig alt sind und obwohl einige Bücher fast jedes Mal auf der Liste standen. Von den Listen aus dem Herbst und Winter 2015 sowie Sommer und Herbst 2016 habe ich jeweils sechs Bücher gelesen, wobei die sich teilweise überschneiden. Von der Liste aus dem Winter 2016 arbeite ich immerhin gerade das siebte Buch ab. Trotzdem eine traurige Bilanz. Ich bin sehr gespannt, inwieweit das diesmal anders sein wird. Ich habe Lust auf alle zehn Bücher auf der Liste, aber es kommt dann ja doch immer anders.
Weitere Informationen zur Aktion findet ihr bei Steffis Bücherbloggeria. :)


Das heutige Thema:
10 Bücher, die du gerne im Sommer 2017 lesen möchtest 

Meine Top Ten:
Da ich Rick Riordan liebe, muss ich "Die Abenteuer des Apollo" lesen, sobald es am 31. August erscheint. Außerdem möchte ich die Kurzgeschichte zu "Die Dämonenakademie" lesen, da ich die Geschichte liebe und das Buch außerdem ein Rezensionsexemplar ist.

Mit der "Göttlich"-Reihe kämpfe ich schon ewig. Es wird Zeit, dass ich den letzten Band endlich mal lesen. "Lady Midnight" dagegen ist ein erster Teil, dessen Fortsetzung aber im Herbst erscheint. Bis dahin möchte ich das Buch auf jeden Fall gelesen haben.

Auch schon ewig angefangen habe ich die "Nightmares"-Reihe. Erst erschien der dritte Teil ewig nicht, jetzt schaffe ich es einfach nicht, die Reihe mal weiter zu lesen. Zum Glück passt der zweite Teil diesen Monat zur 'Stadt, Land, Fluss'-Challenge.

"Der Prinz der Elfen" ist auch ein Rezensionsexemplar, das ich echt dringend mal lesen sollte. Das liegt schon beschämend lange bei mir herum. Kürzlich eingezogen ist dagegen "Simon vs. The Homo Sapiens Agenda". Das wird so gehyped, dass ich es lesen möchte, bevor es Staub ansetzt.

Kurze Lektüre für zwischendurch (immerhin ist Prüfungszeit) ist "Touchdown zum Glück". Das habe ich von der Messe mitgebracht und seitdem liegt es im Regal. Genau wie "Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück". Das Buch war eine Entdeckung auf der Messe und ich musste es unbedingt sofort kaufen! Tja.


Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?
Welche Bücher nehmt ihr euch für den Sommer vor?

Dienstag, 11. Juli 2017

[Rezension] Die Farben des Blutes: Goldener Käfig – Victoria Aveyard


Titel: Die Farben des Blutes - Goldener Käfig
Autor: Victoria Aveyard
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 30. Juni 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 635
ISBN: 978-3-551583-28-4
Preis: 23,99 € [D]

Klappentext:
Mare, die rote Rebellin mit den Silber-Kräften, kehrt zurück an den Hof – doch dieses Mal nicht als falsche Prinzessin oder Spionin. Sie ist jetzt eine Gefangene der Krone, ein Spielball der Macht. Um sie herum spinnt der junge König sein Netz aus Intrigen, Lügen und unerwarteten Bündnissen. So hofft er die Kontrolle zu behalten über ein Land, das an der Schwelle zur Revolution steht.

Einordnung:
- Die rote Königin (Teil 1) 
- Gläsernes Schwert (Teil 2) 
- Goldener Käfig (Teil 3)
- noch unbekannt (Teil 4)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Auf dieses Buch habe ich mich schon ewig gefreut, weil ich die Geschichte um Mare wirklich liebe. Deshalb wollte ich dann auch gleich mal in die ersten Kapitel rein lesen. Tja, was soll ich sagen? „Rein lesen“ ist ausgeartet in acht Stunden Dauerlesen, bis ich die Augen einfach nicht mehr offen halten konnte. Das Buch war so spannend, dass ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte. Leider war es zu dick, um es an einem Stück zu verschlingen.

Die Handlung hat mich von der ersten Seite an mitgerissen, obwohl phasenweise gar nicht so viel passiert ist. Denn generell ist das Buch ganz schön politisch. Zum Großteil wird die Geschichte wieder von Mare erzählt, die sich als Gefangene am Königshof befindet. Doch da Maven sie gerne zur Schau stellt oder als sein Spielzeug verwendet, bekommt sie trotzdem viele Entwicklungen mit, wenn auch nur vor- oder nachher durch Erzählungen und nicht „live“. Jetzt im Nachhinein fällt mir auf, dass manchmal ganz Kapitel nur aus Mares Monologen bestehen. Das ist jedoch keinesfalls langweilig, weil die Entwicklungen spannend sind und der Schreibstil packend. Damit wird der Leser immer auf dem Laufenden gehalten, wie sich das Land gerade entwickelt. Immer wieder schließt Mare von Mavens Verhalten auf seine Gedanken und leitet daraus sein künftiges Verhalten ab. Oder sie erfährt von bestimmten Handlungen und schließt daraus auf die Ursachen und Gründe. Das liefert ein vollständiges Bild zur Handlung aus der Perspektive des Königshofs. Es hat mir sehr gefallen, auch mal die Hintergründe zu verstehen und mir nicht bloß auf Basis der Konsequenzen alles selbst zusammen reimen zu müssen.
Zwischendurch werden aber auch immer wieder einzelne Kapitel von Cameron erzählt, die sich als Neublüter bei der Scharlachroten Garde aufhält. Damit wird der Leser auch aus dieser Perspektive mit einem steten Strom von Informationen versorgt. Zwar sind diese Informationen nicht so umfassend, da die Garde nach dem Motto operiert, dass niemand mehr wissen soll als er wissen muss, aber es hilft trotzdem, die Entwicklungen nachzuvollziehen.

Die Einblicke in die Unternehmungen der Scharlachroten Garde sind es auch, bei denen ich zuerst etwas den Überblick verloren habe. Denn was sich schon im letzten Band angekündigt hat, wird hier nun weiter ausgeführt: Die Rebellion gegen die Zwei-Klassen-Gesellschaft betrifft nicht nur das Königreich Norta, sondern auch die umliegenden Länder. Bei diesen handelt es sich jedoch nicht nur um Königreiche, sondern auch Fürstentümer und demokratische Republiken. Sie alle sind in irgendeiner Art und Weise in den Konflikt eingebunden, teils aktiv, teils passiv, teils freiwillig und teils gezwungenermaßen. Hinzu kommt dann, dass auch das Königreich Norta langsam aber sicher zerfällt, die einzelnen Häuser rebellieren und sich lossagen – oder eben auch nicht. Es hat nicht lange gedauert, bis ich den Überblick verloren hatte, wer nun auf wessen Seite steht, welche Seiten es eigentlich überhaupt gibt und wer warum wessen Marionette ist. Der ganze Konflikt ist dermaßen komplex geworden, dass ich Stift und Zettel gebraucht hätte, um alles nachvollziehen zu können. Auf der einen Seite hat mich das gestört, weil ich manchmal etwas verwirrt war, auf der anderen Seite haben die Komplexität und das Chaos aber dafür gesorgt, dass die Handlung unvorhersehbar wurde. Es änderte sich ständig alles, die Handlung war immer in Bewegung und die Umstände haben sich laufend verändert. Das war richtig gut gemacht, für mein Hirn nur leider einen Tick zu viel.

Fazit:
Das Buch hat mich von der ersten Seite an so mitgerissen, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Obwohl die Handlung an vielen Stellen sehr politisch ist, ist die Geschichte spannend gewesen. Da Mare aus der Perspektive des Königshofs und Cameron aus der Perspektive der Scharlachroten Garde berichtet, hatte ich als Leser ein vollständiges Bild zu Ursachen, Gründen und Konsequenzen verschiedener Entwicklungen inklusive Hintergrundinformationen. Das hat mir sehr gefallen. Leider ist der Konflikt gegen Ende so komplex geworden, dass ich nicht mehr ganz folgen konnte. Zwar wurde die Handlung dadurch unvorhersehbar, aber ich war öfter verwirrt als mir lieb war. „Goldener Käfig“ bekommt daher vier Schreibfedern von mir.

Samstag, 8. Juli 2017

[Rezension] Als die schwarzen Feen kamen – Anika Beer


Titel: Als die schwarzen Feen kamen
Autor: Anika Beer
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 12. März 2012
Einband: Softcover
Seiten: 445
ISBN: 978-3-570401-47-7
Preis: 12,99 € [D]

Klappentext:
Völlig unerwartet wird die fünfzehnjährige Marie eines Tages von Gabriel, dem Schwarm ihrer Mitschülerinnen, angesprochen. Gabriel vermag die Wesen zu sehen, die sich im Schatten der Menschen verbergen, und in Maries Schatten bemerkt er etwas Beunruhigendes: einen Schwarm gefährlich anmutender schwarzer Feen. Gabriels Angebot, ihr zu helfen, lehnt Marie zunächst ab, doch als es den Feen gelingt, in die Realität einzubrechen, geht sie erneut auf ihn zu. Gemeinsam versuchen sie, das Wesen der schwarzen Feen zu ergründen. Dabei stoßen sie auf eine düstere Stadt aus Obsidian, die Marie einst in ihrer Phantasie schuf, die jetzt aber von den schwarzen Feen beherrscht wird. Mit Gabriels Hilfe will Marie es wagen, die Obsidianstadt zu betreten, um sich den Feen zu stellen ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch lag Ewigkeiten auf meinem SuB, bevor ich es jetzt endlich erlöst habe. Es hat mich ganz gut unterhalten, mehr aber auch nicht. Das größte Problem des Buches ist die Vorhersehbarkeit. Die große „Überraschung“ des Endes wird mehr als deutlich schon vorweggenommen – auf Seite 52. Aber auch kleinere Handlungsdetails, die Liebesgeschichte und die Frage, wer nun eigentlich der Bösewicht ist, sind ziemlich offensichtlich. Das liegt vor allem daran, dass leider einige Klischees bedient werden, vor allem im Hinblick auf die Bösewichte. Das hat mich wirklich enttäuscht. Aus einigen Stereotypen scheinen wir einfach nicht herauszukommen: Der Mörder ist immer der Gärtner, die Deutschen sind immer Neo-Nazis und so weiter.

Meine Schwierigkeiten hatte ich außerdem mit Protagonistin Marie. Sie ist zickig, ständig beleidigt und eindeutig immer noch pubertierend. Die vollkommen irrelevanten Auseinandersetzungen mit ihren vermeintlichen Freundinnen sind ein solcher Zickenkrieg, dass ich beinahe die Augen verdreht hätte. Hinzu kommt, dass Marie Gabriel anschmachtet als hinge ihr Leben davon ab. Mit den immer gleichen Worten beschreibt sie die immer gleichen Gedanken und Gefühle, die aufkommen, wenn sie in seiner Nähe ist. Daraus besteht im Grunde das erste Viertel des Buches. Zum Glück wird die Geschichte abwechselnd von Marie und Gabriel erzählt. Letzterer ist deutlich reifer und mehr auf die Sache konzentriert, sodass ich während seiner Kapitel ein wenig durchschnaufen konnte.

Als dann die Handlung, die nichts mit Maries zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat, endlich ins Rollen kam, wurde das Buch aber besser. Die Idee der Geschichte finde ich nach wie vor sehr interessant. Wie Marie ihre Feen hat, so hat jeder Mensch ein Monster in seinem Schatten, das aus Trauer, Wut und Angst besteht. Gabriel kann die Wesen in den Schatten sehen. Und diese Monster müssen unter Kontrolle gehalten werden, obwohl die meisten Menschen nicht einmal davon wissen. Diese Idee hat mich von Anfang an fasziniert und ich war mir eine Zeit lang nicht sicher, ob es sich tatsächlich um ein Fantasy-Buch handelt oder ob das alles bloß Metaphern sind. Letztendlich trifft beides zu, denke ich. Die Monster existieren in der Geschichte wirklich, aber für den Leser ist die Geschichte eine Metapher für den Kampf gegen Ängste, Depressionen und andere negative Gefühle, die manchmal die Kontrolle an sich reißen und mit sozialer Unterstützung besser im Zaum zu halten sind.

Fazit:
Das Buch hat mich ganz nett unterhalten. Die Handlung um die Feen ist interessant und die Idee fasziniert mich. Mir gefällt, dass die Kreaturen in den Schatten sowohl echte, physische Monster als auch metaphorische, psychische Gegner sind. Gleichzeitig war die Handlung aber leider sehr vorhersehbar. Es werden eine Menge Klischees und Stereotype bedient. Auch konnte ich mit Protagonistin Marie nichts anfangen. Zwischen den Zickenkriegen mit ihren vermeintlichen Freundinnen und ihrer dauerhaften Schwärmerei für Gabriel kommt sie kaum zur Geltung. Insgesamt vergehe ich an „Als die schwarzen Feen kamen“ daher drei Schreibfedern.