Dienstag, 23. Mai 2017

[Rezension] Der Monsterjäger und die Prinzessin der Dämmerung – Michael Karner


Titel: Der Monsterjäger und die Prinzessin der Dämmerung
Autor: Michael Karner
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 01. Mai 2017
Einband: eBook
Seiten: 330
ISBN: 978-1-520722-61-0
Preis: 3,99 € [D]

Klappentext:
Praya ist die Prinzessin des Juwels der Wüste, doch etwas ist besonders an ihr. Um ihre ewige Jugend zu bewahren, wurde sie in einen Tiefschlaf versetzt. Als der junge, ehrgeizige Monsterjäger Ducarte und ein friedfertiger Kung-Fu-Mönch mit dubioser Vergangenheit zu ihrer Rettung auftauchen, verfolgt jeder seine eigenen geheimen Pläne. Doch jemand will der Prinzessin das Leben rauben. Das ungleiche Trio muss sich zusammenschließen, um eine Flucht über drei Kontinente anzutreten. Von der sengenden Wüste, zu frostbefallenen Wäldern, gelangen sie auf die Spur ihrer Verfolger. Doch je mehr sie die Verschwörung aufdecken, desto eher gerät ihre Heimat in Gefahr. Als ein vermeintlicher Verbündeter die Helden unerwartet in die Arme des übermächtigen Feindes treibt, ist der einzige Ausweg, sich ihm zu stellen. Denn Praya erinnert sich langsam an ihre magischen Kräfte. Ihre Familie hielt sie noch aus einem anderen Grund gefangen ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Mit der Geschichte habe ich mich leider ziemlich schwer getan. Ich versuche immer noch, einen Überblick zu bekommen und den Sinn zu verstehen, aber ich habe das Gefühl, als würde ich mir einen Knoten ins Gehirn denken. Das ganze Buch ist für mich bis zum Schluss nicht so richtig greifbar geworden – weder die Charaktere noch das Setting noch die Handlung. Insbesondere Setting und Handlung haben dafür gesorgt, dass ich ständig ins Schwimmen geraten bin und nie so genau wusste, woran ich denn jetzt eigentlich bin.

Die wichtigsten Charaktere des Buches sind Prinzessin Praya, Mönch Chauhan und Monsterjäger Ducarte. Sie fliehen gemeinsam vor den Attentätern, die Praya das Leben nehmen wollten, und durchqueren dabei die halbe Welt. Leider bleiben sie alle trotz der vielen Handlung sehr blass und haben kaum Persönlichkeit. Es hat fast bis zur Mitte des Buches gedauert, bis ich mir merken konnte, dass der Erzähler Ducarte heißt und nicht „Ich“. Sie alle geben kaum etwas von ihrer Vergangenheit Preis und wenn sie doch einmal darüber sprechen, dann in kurzen, mysteriösen Aussagen, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. Außerdem scheinen sie keinerlei Emotionen zu haben und transportieren dementsprechend auch keine zum Leser. Praya beispielsweise hat keine Angst, als sie unerwartet aus ihrem Tiefschlaf gerissen wird und mitten in einem Kampf landet. Auch zucken weder sie noch ihre Begleiter mit der Wimper, als sie einen mehrere Dutzend Meter hohen Wasserfall herunter springen müssen. Als Prayas Leben in Gefahr ist, wird sieht sie zwar kurz „beunruhigt“ aus, mehr Emotionen sind ihr aber nicht zu entlocken. Gleiches gilt auch für ihre Begleiter. Nicht einmal die Gefühle des Erzählers Ducarte werden dem Leser mitgeteilt. Alle drei Charaktere sind so tiefenentspannt, dass mich die Stimmung nicht mitreißen konnte, weil überhaupt keine aufkam.
Hinzu kommen unverständliche oder unglaubwürdige Motivationen der Charaktere. Bis zum Schluss habe ich nicht verstanden, warum Praya ohne zu zögern mit zwei fremden Männern aus dem Fenster springt und nicht nur die Stadt, sondern gleich auch noch den Kontinent verlässt. Sie zögert nie, sie hinterfragt nie, als wäre das alles abgesprochen gewesen. Aus welchem Grund der Mönch in ihrem Zimmer aufgetaucht ist, welche Ziele er eigentlich verfolgt hat und warum er eine Allianz mit Ducarte gebildet hat, ist mir leider auch immer noch unklar. Etwas deutlicher werden Ducartes Absichten formuliert, immerhin ist er der Erzähler. Aber auch bei ihm verstehe ich nicht, warum er den Mönch nicht ausgeschaltet, sondern sich – in meinen Augen vollkommen unnötig – mit ihm verbündet hat. Außerdem hatte ich, als das erste Mal erwähnt wird, warum er hinter der Prinzessin her ist, die Hoffnung, dass das ein Witz war. Leider stellt sich irgendwann heraus, dass dieses absurde Ziel, das in keinster Weise erklärt wird, tatsächlich sein Ernst ist.

Ähnlich wie mit den Charakteren ging es mir auch mit der Welt, die der Autor sich ausgedacht hat. Für mich wurde dabei an den falschen Stellen ins Detail gegangen, denn wie genau eine Burg aufgebaut ist und welche Räume es dort gibt, hilft mir nicht dabei, der Geschichte zu folgen, wenn ich nicht einmal weiß, in welchem Land die Charaktere sich gerade befinden. Die Länder, Städte, Bevölkerungsgruppen und Kontinente werden aber immer nur kurz genannt oder so grob beschrieben, sodass ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen konnte. Die Flut an Namen konnte ich mir beim besten Willen nicht merken, da das Trio auf der Flucht immer nur kurz an einem Ort verweilt und dann schon ins nächste Land reist, wo es andere Städte und Bevölkerungsgruppen gibt. Ich bin nicht einmal sicher, ob das wirklich alles unterschiedliche Regionen und Menschen waren oder ob die Charaktere nicht einfach verschiedene Namen für ein und dasselbe verwenden. Eine Karte hätte mir da vielleicht weitergeholfen, denn ich habe ziemlich schnell den Faden verloren, wo die Charaktere gerade sind. Die Erklärungen waren einfach zu kurz, um irgendetwas verstehen zu können, sodass ich absolut keinen Schimmer habe, wie die Welt eigentlich aussieht.

Die größten Schwierigkeiten hat mir beim Lesen jedoch die Tatsache bereitet, dass ich das Gefühl hatte, nur das halbe Buch vor mir zu haben. Immer wieder finden sich Sprünge in der Handlung oder in Ducartes Gedanken, die mich völlig verwirrt haben. Ich hatte ständig das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Beispielsweise gehen sie in eine Stadt, um den Auftraggeber ihrer Verfolger zu finden, aber plötzlich findet eine große Versammlung mit Vertretern vieler Gruppierungen statt, an der sie natürlich teilnehmen. Die komplette Erklärung, wann und warum sie ihren Plan geändert haben und was sie damit bezwecken, fehlt. Und solche Szenen gibt es leider zu Hauf. Ich war so sehr damit beschäftigt, mir ständig Fragen zu stellen wie „Wie kommen sie da jetzt plötzlich hin?“ oder „Wie haben sie dies jetzt gemacht?“ oder „Warum machen sie denn jetzt plötzlich jenes?“, dass ich keine Kapazitäten übrig hatte, um Gefallen an der Geschichte zu finden. Es ist, als wären die Handlungen und die Dialoge der Geschichte jedes Mal weiter gelaufen, wenn ich das Lesen unterbrochen habe, sodass ich erst an einer späteren Stelle wieder einsteigen konnte, obwohl ich ja eigentlich direkt den folgenden Satz gelesen habe. So viele Dinge wurden mir als Leser nicht mitgeteilt, dass ich die (erfolglosen) Versuche, der Geschichte zu folgen, als extrem ermüdend empfunden habe.

Fazit:
Das Buch war leider überhaupt nichts für mich. Die Charaktere sind blass und haben kaum Persönlichkeit, sodass ich mir nicht einmal den Namen des Erzählers merken konnte. Außerdem empfinden und transportieren sie keinerlei Emotionen und ihre Motive und Ziele sind unklar bis unglaubwürdig. In der Welt habe ich mich bis zum Schluss nicht zurecht gefunden und konnte der Reise damit nicht folgen. Die unendlich vielen Namen für Städte, Länder und Bevölkerungsgruppen kombiniert mit sehr kurzen oder gar keinen Erklärungen dazu haben mich mehr verwirrt als erleuchtet. Der Handlung selbst konnte ich auch nicht folgen, weil ich ständig das Gefühl hatte, dass Teile fehlten. Gedankengänge, Dialoge und Handlung sprangen ohne roten Faden herum. Da mich „Der Monsterjäger und die Prinzessin der Dämmerung“ ermüdet, verwirrt und mit jeder Menge Fragezeichen im Gesicht zurücklässt, kann ich nicht mehr als eine Schreibfeder vergeben.


Ich bedanke mich trotzdem bei Autor Michael Karner für das Rezensionsexemplar.

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