Donnerstag, 6. April 2017

[Rezension] Chosen: Die Bestimmte – Rena Fischer


Titel: Chosen – Die Bestimmte
Autor: Rena Fischer
Verlag: Planet
Erscheinungsdatum: 17. Januar 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 461
ISBN: 978-3-522505-10-9
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Ein Eliteinternat für Hochbegabte – nicht gerade Emmas Traum! Doch Sensus Corvi ist kein normales Internat: Emma ist eine Emotionentaucherin und kann die Gefühle anderer Menschen spüren. Auch all ihre Mitschüler verfügen über besondere Gaben, was für Emma etwas gewöhnungsbedürftig ist. Der charismatische Aidan kann beispielsweise die Elemente beeinflussen – vor allem aber bringt er Emmas Gefühlswelt ziemlich durcheinander … Als plötzlich Jared, ein ehemaliger Schüler, bei Emma auftaucht und sie in das düstere Geheimnis einweiht, das hinter den Mauern des Internats lauert, gerät Emma zwischen die Fronten und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Eine Rebellion bricht los, die mehr ist als ein erbitterter Kampf. Und für Emma geht es dabei nicht nur um die große Liebe, sondern um Leben und Tod!

Einordnung:
- Die Bestimmte (Teil 1)
- Das Erwachen (Teil 2, erscheint am 20. Juni)

Rezension:
Mit dem ersten Drittel des Buches habe ich mich richtig, richtig schwer getan. Der Klappentext hat die gesamte Handlung mit allen Entwicklungen schon verraten, daher kam einfach überhaupt keine Spannung auf. Außerdem stürzt am Anfang extrem viel Handlung auf den Leser ein, da die Kapitel häufig nur zwei oder drei Seiten haben. Dadurch sind die einzelnen Szenen extrem abgehackt und ich hatte gar keine Zeit, in die Geschichte hineinzufinden. Die Autorin hat in der Leserunde gesagt, dass das dazu gedacht ist, den Leser genauso atemlos zu machen wie Protagonistin Emma. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber weder zu Emma noch zur Handlung irgendeine Verbindung, sodass mich das Buch schlichtweg abgehängt hat. Mehrfach hatte ich das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben, weil die meisten Szenen endeten, bevor sie richtig angefangen hatten. Hinzu kommt, dass Emma aufgrund ihrer Gabe schon früh gelernt hat, ihre Gefühle wegzusperren und das in dieser stressigen Situation auch tut. Leider hat das bei mir als Leser dazu geführt, dass ich auch fast keine Emotionen entwickelt habe. Eine Kernsituation hat mich emotional wirklich gepackt, der Rest war mir trotz aller Dramatik schlichtweg egal. Als dann auch noch eine vermeintlich (wichtig hier: das hat sich im Nachhinein als Irrtum meinerseits herausgestellt!) völlig überstürzte Liebesgeschichte dazu kam, hatte ich beinahe keine Lust mehr, das Buch fortzusetzen.

Zum Glück habe ich den Rest dann aber doch noch gelesen, denn das Buch entwickelt sich in fast jeder Hinsicht positiv. Die größte Entwicklung gibt es bezüglich der Spannung. Ab dem Moment, an dem die im Klappentext beschriebene Handlung vollständig abgelaufen ist, weist das Buch plötzlich überraschende Wendungen auf. Mit der Zeit wird die Geschichte immer verworrener, denn nicht nur das Internat hat viele Geheimnisse, sondern auch die Rebellengruppe. Genau wie Emma weiß auch der Leser nicht mehr, wer nun zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Immer wenn ich dachte, ich hätte es herausgefunden, kam eine Wendung, die noch einmal alles auf den Kopf gestellt hat, oder eine Wendung, bei der sich später herausgestellt hat, dass es gar keine war. Dieses Versteckspiel ist der Autorin wirklich gut gelungen, auch wenn ich manchmal etwas aus den Augen verloren habe, was die Gruppierungen denn nun eigentlich voneinander wollen.
Neben der Spannung nimmt auch der Informationsgehalt zu. Die Kapitel werden länger, sodass die geschilderten Szenen mit mehr Details versehen sind. Es gibt beispielsweise Einblicke in Emmas Unterricht, in dem weiterführende Informationen zu den Gaben der verschiedenen Personen geliefert werden. Auch die Organisation und hierarchische Struktur bei Sensus Corvi sowie in der Rebellengruppe werden ausführlicher beleuchtet. Die Figuren werden dreidimensionaler und einige Nebencharaktere treten aus dem Schatten, sodass ich tatsächlich Personen gefunden habe, an die ich mein Herz hängen konnte.
Außerdem hat mich das Buch gezwungen, immer genauer zu lesen, denn da Emma eine Ich-Erzählerin ist, kennt sie nur einen Teil des Puzzles. Die übrigen Informationen haben andere Charaktere, aber durch Gespräche oder Beobachtungen bekommt Emma eine Menge Dinge mit, ohne jedoch direkt den Zusammenhang zu verstehen. Genau wie Emma musste ich selbst die Puzzlesteine zusammensetzen, um das Gesamtbild zu sehen. Das hat wirklich viel Spaß gemacht, gerade weil mir manchmal im Nachhinein offensichtliche Dinge entgangen sind, die mich dann noch überraschen konnten.

Der einzige Aspekt, der mit bis zum Schluss nicht wirklich gefallen hat, ist Emma. Das geht auch noch über meine typischen Probleme mit weiblichen Protagonisten hinaus, denn Emma ist unglaublich leichtgläubig und sprunghaft. Gerade am Anfang hatte ich irgendwann einfach keine Lust mehr, ihren Gesinnungswechsel schon wieder mitzumachen. Ihr Problem ist, dass sie vollkommen neu in dieser Welt ist. Sie wurde versteckt und isoliert von anderen Personen mit Gaben von ihrer Mutter aufgezogen und kennt sich dementsprechend überhaupt nicht aus. Daher klingen für sie sowohl die Dinge, die sie im Internat lernt, als auch die Dinge, die sie von der Rebellengruppe erfährt, glaubhaft. Aber statt Nachforschungen anzustellen oder sich zurück zu halten, bis sie sich ein genaueres Bild machen kann, vertritt sie immer mit Feuereifer die Position, mit der sie zuletzt Kontakt hatte. Wenn sie im Internat ist und mit Aidan, ihrem Vater oder dem Schulleiter spricht, dann glaubt sie an deren Ideen, fühlt sich wohl dort und schiebt alles Schlechte den Rebellen in die Schuhe. Wenn sie sich dann allerdings mit Jared oder anderen Rebellen unterhält und deren Version der Geschichte hört, dann ist sie überzeugt davon, dass die Feinde im Internat sitzen. Fast immer stand Emma auf der Seite, die sie zuletzt bezirzt hat, und hat den Personen dort geglaubt und vertraut. Da konnte ich meist nur den Kopf schütteln und hoffen, dass sie im zweiten Band hin und wieder auch mal ihre eigene Meinung vertritt, statt immer nur nachzuplappern, was ihr vorgekaut wird.

Fazit:
Im ersten Drittel, in dem für mich fast nichts gestimmt hat, hätte ich das Buch am liebsten abgebrochen. Der Klappentext hat die Handlung verraten, die Szenen waren abgehackt und die Protagonistin emotionslos. Zum Glück habe ich aber durchgehalten, denn je weiter ich gelesen habe, desto besser wurde das Buch. Es kommt eine Menge Spannung auf, es gibt dramatische Szenen und überraschenden Wendungen, Informationen zur Welt werden geliefert und die Charaktere werden dreidimensionaler. Einzig die Leichtgläubigkeit und Sprunghaftigkeit der Protagonistin haben mir bis zum Schluss nicht gefallen. Insgesamt vergebe ich an „Chosen – Die Bestimmte“ daher drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Verlag und bei lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

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