Dienstag, 21. März 2017

[Rezension] Die Legenden der Schattenjäger-Akademie – Cassandra Clare


Titel: Die Legenden der Schattenjäger-Akademie
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena
Erscheinungsdatum: 08. November 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 840
ISBN: 978-3-401601-47-2
Preis: 24,99 € [D]

Klappentext:
Simon ist ohne seine Erinnerungen völlig machtlos und muss herausfinden, wer er eigentlich ist. Hat er das Zeug zum Helden, der Dämonen bekämpft – wie ihm seine früheren Freunde Clary und Jace ständig erzählen? Oder ist er nicht eigentlich doch der bleiche und schwächliche Comicfan, der nicht einmal die Kraft hat, eine Waffe der Nephilim richtig in der Hand zu halten. Unzählige Übungsstunden in der Akademie bekräftigen eher diese Version.
Und dann ist da noch Isabelle, an deren Liebe er sich einfach nicht erinnern kann, auch wenn es in seinem Bauch flattert, wenn er an sie denkt. War er wirklich mit diesem tollen Mädchen zusammen und wenn ja, wie hat er das nur angestellt?

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe, spielt aber nach den Chroniken der Schattenjäger und den Chroniken der Unterwelt und vor der Reihe „Die Dunklen Mächte“.

Rezension:
Kann, genau wie das Buch selbst, Spoiler bezüglich der anderen Bücher enthalten, die in Cassandra Clares Schattenjäger-Welt spielen.

Das Buch beinhaltet zehn Kurzgeschichten, die Simons Leben und Werdegang an der Akademie der Schattenjäger in Idris beschreiben, vom Tag seiner Ankunft bis zum Tag seiner Aszension, also seiner Umwandlung vom Irdischen in einen Schattenjäger. In diese Erzählungen sind durch persönliche Gespräche oder Lektionen im Unterricht anfangs immer Geschichten oder eben auch die im Titel erwähnten Legenden aus der Vergangenheit eingebaut. Dabei sind diese Blicke in die Vergangenheit aber nicht willkürlich gewählt, sondern stehen immer in Zusammenhang mit einer der Reihen, die im gleichen Universum spielen. Bestimmte Details oder Aspekte der jeweiligen Geschichte sind in den anderen Büchern bereits erwähnt worden und werden nun in diesem Buch weiter ausgeführt. So kommt es, dass Simon zwar der Protagonist seiner eigenen Geschichte ist, aber auch Tessa Gray, eine Menge Herondales, Magnus Bane, Alec und Robert Lightwood, Emma Carstairs sowie Julian, Helen und Mark Blackthorn Teile des Buches erzählen oder zumindest darin vorkommen. Da einige dieser Charaktere aber aktuelle Entwicklungen durchleben und nicht vergangene Ereignisse beschreiben, geht der Aspekt mit den Legenden leider gegen Ende des Buches verloren.

Simon ist hier als Protagonist leider genauso anstrengend wie in den Chroniken der Unterwelt. Natürlich hat er es mit seinem Gedächtnisverlust nicht gleich, aber er gibt sich deshalb dermaßen wehleidig, dass er mir schon nach wenigen Seiten auf die Nerven gegangen ist. Er hält sich für ein völliges Weichei, glaubt ein ganz anderer Mensch zu sein als zuvor und fühlt sich von seinen ehemaligen Freunden ständig beobachtet und bedrängt, weshalb er beinahe ununterbrochen vor sich hin jammert. Positiv an dieser Sichtweise war nur, dass er dadurch mit dem total direkten, völlig unverblümten und nach Strich und Faden lügenden Jace am besten zurecht kam. Stellenweise waren die Begegnungen der beiden regelrecht witzig. Zum Glück fanden alle anderen Charaktere, genau wie ich, dass Simon sich nicht verändert hat. Er ist noch immer ein Nerd, aber absolut loyal, kann Ungerechtigkeit nicht ausstehen und ist gleichermaßen witzig wie mutig. Dadurch ist er als Person mit seinen Handlungen sehr sympathisch, nur wenn er vor dem Leser seine Gedanken und seinen „Alter-Simon-neuer-Simon-Minderwertigkeitskomplex“ (Izzy, S. 498) ausbreitet, ist er schwer zu ertragen.

Auch die Handlung der Kurzgeschichten hat mir prinzipiell gut gefallen, aber sie hatten fast alle auch Schwächen. Zunächst einmal hätte ich gerne mehr über Simons Unterricht erfahren, aber bis auf die Theorieteile, in denen dem Leser eine Legende näher gebracht wird, wird beinahe alles übersprungen oder von Simon als dämlich und übermenschlich anstrengend zusammengefasst. Dadurch drehen sich die Teile, die er erzählt, fast immer nur um seine Beziehung oder auch Nicht-Beziehung mit Izzy, darum, wie toll er sie findet und dass er mit ihr zusammen sein will, aber lieber doch nicht, eigentlich aber doch oder vielleicht auch doch nicht. Das hat manchen Geschichten vollkommen die Spannung genommen. An anderen Stellen hatten sich die Charaktere im Vergleich zu den Chroniken der Unterwelt, die zeitlich direkt vor diesem Buch spielen, dermaßen verändert, dass ich sie kaum wiedererkannt habe. Beispielsweise konnten Alecs Eltern, insbesondere sein Vater, Magnus eigentlich nie leiden, aber plötzlich überschlagen sie sich geradezu vor Begeisterung. Ihre Vorurteile gegenüber Schattenweltlern sind wie weggeblasen. Nichtsdestotrotz hat mir das Buch gut gefallen, denn meine Kritikpunkte sind immer nur kleinere Details in manchmal mehr als 100 Seiten langen Geschichten.

Fazit:
Das Buch ist eine schöne Erweiterung zu den Reihen, die im Schattenjäger-Universum spielen. Zwar erzählt Simon auch seine eigenen Erlebnisse auf der Akademie, aber es werden immer Geschichten eingeschoben, die das Schicksal der Protagonisten der anderen Reihen weiter beleuchten. Diese Geschichten sind leider weit spannender als Simons Wehleidigkeit wegen des Gedächtnisverlusts und seine Unentschlossenheit bezüglich Izzy. Als Charakter hat sich Simon nicht verändert, aber als Erzähler ist er echt anstrengend. Deshalb hat mir das Buch zwar gut gefallen, hatte aber zwischendurch immer wieder Schwächen. Insgesamt bekommt „Die Legenden der Schattenjäger-Akademie“ deshalb vier Schreibfedern von mir.

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