Sonntag, 5. Februar 2017

[Rezension] Him: Mit ihm allein – Sarina Bowen und Elle Kennedy


Titel: Him – Mit ihm allein
Autor: Sarina Bowen und Elle Kennedy
Verlag: LYX
Erscheinungsdatum: 09. September 2016
Einband: Softcover
Seiten: 384
ISBN: 978-3-736302-51-8
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Zwei Dinge weiß Jamie ganz sicher: Erstens, er wird nach dem College professionell Eishockey spielen. Und zweitens, er steht auf Frauen. Daran hat auch die heiße Nacht, die er damals im Trainingscamp mit seinem besten Freund Wes verbrachte, nichts geändert. Doch dann stehen sich die beiden nach vier Jahren plötzlich wieder gegenüber. Und Jamie muss feststellen, dass die Gefühle, die Wes in ihm hervorruft, alles andere als freundschaftlich sind ...

Einordnung:
- Him: Mit ihm allein (Teil 1)
- Us: Du und ich für immer (Teil 2)

Rezension:
Von Eishockey habe ich überhaupt keine Ahnung. Normalerweise ist Fußball eher mein Gebiet, wenn es um schwule Romanzen im Sport geht. Dank Lisa, die ein ziemlich gutes Gespür hat für Gay Romances, die mir gefallen könnten, ist das Buch trotzdem auf meiner Liste gelandet. Und nachdem ich die überwältigten, euphorischen Kommentare von Tina (von Bookaholics) auf Goodreads verfolgt habe, lag das Buch ganz schnell auf meinem Nachttisch. Fast genauso schnell war es dort wieder verschwunden, weil ich es nach zwei Tagen schon durch hatte. Das Buch war so mitreißend, dass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Zweimal habe ich bis mitten in der Nacht gelesen, weil aus „nur noch ein Kapitel“ schnell um die hundert Seiten geworden sind. Es hat sich also absolut gelohnt!

Erzählt wird die Geschichte, anders als im Klappentext dargestellt, nicht nur von Jamie, sondern auch von seinem ehemaligen besten Freund Wes. Beide sind gerade dabei, das College zu beenden und anschließend eine Profikarriere im Eishockey anzustreben. Seit vier Jahren hatten sie keinen Kontakt mehr, doch zum Halbfinale um die Collegemeisterschaft stehen sie sich plötzlich wieder gegenüber. Da ist natürlich mehr als vorhersehbar, dass es zwischen ihnen ordentlich knistern wird, aber das macht die Geschichte nicht weniger spannend und interessant. Da Jamie der festen Überzeugung ist, heterosexuell zu sein (eine Überzeugung, die Wes teilt), war ich gespannt darauf, wie er erkennt, dass dem offensichtlich nicht so ist. Den Weg dorthin haben die Autorinnen sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet. Mehrfach wird Jamies Verwirrung deutlich und er probiert verschiedene Dinge aus, um zu verstehen, was mit ihm und seinem Körper los ist. Einen riesigen Pluspunkt hat die Geschichte bei mir gesammelt, als Jamie zum Schluss kommt, dass er doch nicht ausschließlich an Frauen interessiert und damit wohl bisexuell ist und nicht bloß „gay for you“. Mit dieser Erfindung des Gay Romance Genres, dass ein Mann nur für einen einzigen anderen Mann kurz aufhört, heterosexuell zu sein, kann ich nämlich überhaupt nichts anfangen.

In diesem Zusammenhang hat mir auch wunderbar gefallen, dass das Buch auf übertriebene Dramen verzichtet und damit ganz anders ist als ich es erwartet hatte. Das beginnt damit, dass Jamie selbst sagt, dass er geschockt ist, wie wenig geschockt er von der Feststellung ist, dass er bisexuell ist. Er akzeptiert diese Tatsache und sich selbst als vollkommen normal und sieht keinen Grund, da eine große Sache draus zu machen. Ähnliche Reaktionen gibt es auch von anderen Charakteren, die geradezu prädestiniert für homophobe Kommentare sind, immerhin spielt die Geschichte am Rande des Profisports und Jamies Familie will auch informiert werden. Es ist wunderbar erfrischend, dass die beiden Protagonisten selbst die Dramatik und die Traurigkeit in die Geschichte bringen und keine außenstehenden Figuren dafür herhalten müssen.

Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch nicht ganz in den Himmel loben, denn so schön und mitreißend der Schreibstil auch war, in den intimeren Szenen hat mich die Wortwahl besonders zu Beginn völlig aus dem Lesefluss gerissen. An Formulierungen wie „Schwanz“ und „Eier“ bin ich aus anderen Büchern gewöhnt, diese Wortwahl scheint fast schon normal zu sein. Dagegen habe ich „Leck mich“ in diesem Zusammenhang noch nie gelesen und insbesondere beim Wort „Pussy“ war es dann jedes Mal vorbei. Daran konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen.
Außerdem ist die Geschichte irgendwann ein bisschen sehr sexlastig geworden. Ich weiß, dass das Buch ins Genre Erotik eingeordnet ist und dass Sex da auch dazu gehört und habe auch kein Problem damit. Aber wenn der zehnte Blowjob bis ins letzte Detail beschrieben wird, fange ich irgendwann an, die Seiten nur noch zu überfliegen. Mehr Abwechslung im Bett oder weniger explizite Beschreibungen hätten mir da besser gefallen.

Fazit:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist mitreißend, sodass ich zweimal bis mitten in der Nacht gelesen habe. Jamie und Wes, die Erzähler, sind sehr sympathisch und machen eine authentische Entwicklung durch. Insbesondere Jamies Weg zu Feststellung, dass er bisexuell ist, ist nachvollziehbar beleuchtet. Außerdem konnte das Buch mich mehrfach überraschen, da die großen Dramen ausbleiben. Die Protagonisten selbst sorgen für die Dramatik, sodass die anderen Charaktere sich nicht klischeehaft verhalten müssen. Lediglich die immer gleiche Beschreibung der immer gleichen Sexszenen ist mir irgendwann zu langweilig geworden. Insgesamt bekommt „Him – Mit ihm allein“ daher vier Schreibfedern.

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