Sonntag, 19. Februar 2017

[Rezension] Die Auserwählten: Phase Null – James Dashner


Titel: Die Auserwählten – Phase Null
Autor: James Dashner
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 25. November 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 437
ISBN: 978-3-551520-77-7
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Sie sind die Auserwählten. Dazu erkoren, eine Welt zu retten, die längst verloren scheint. Sie sind die Zukunft der Menschheit und ihre einzige Hoffnung. Das glauben sie zumindest. Denn noch ahnen sie nichts von geheimen Allianzen, schockierenden Geheimnissen und unverzeihlichen Lügen. Sie wissen nur, dass sie von ANGST auf die erste Phase des Experiments vorbereitet werden. Das macht die Auserwählten zu Freunden – und damit beginnt der Verrat an Thomas.

Einordnung:
- Kill Order (Prequel) 
- Phase Null (Sequel zum Prequel und Prequel zur Trilogie)
- Im Labyrinth (Teil 1) 
- In der Brandwüste (Teil 2) 
- In der Todeszone (Teil 3) 
Hinweis: Die Einordnung erfolgt anhand der inhaltlichen Chronologie. Da die beiden Prequels jedoch Spoiler zur Trilogie erhalten, empfehle ich Trilogie – Kill Order – Phase Null als Lesereihenfolge.

Rezension:
Kann Spoiler zur Trilogie und zu Kill Order enthalten!

Das Buch, das zeitlich genau die Lücke zwischen dem Epilog aus „Kill Order“ und dem ersten Kapitel aus „Im Labyrinth“ füllt, wird von Thomas erzählt. Es beginnt Ende des Jahres 221, zwei Tage nachdem der fünfjährige Thomas von ANGST abgeholt wurde, und endet am Neujahrstag im Jahr 232, als der dann Fünfzehnjährige ins Labyrinth geschickt wird. Damit erzählt er über einen Zeitraum von zehn Jahren. Allerdings klingt er dabei immer gleich, also von Anfang an wie ein Teenager. Deshalb musste ich tatsächlich jedes Mal die Datumsangabe am Anfang des Kapitels lesen und mir überlegen, wie alt Thomas denn jetzt gerade ist. Denn die Unterschiede bezüglich Satzlänge, Satzverschachtelung und Vokabular sowie logischen Schlussfolgerungen und emotionalem Ausdruck, die ich zwischen einem Fünfjährigen und einem Fünfzehnjährigen erwarten würde, waren für mich absolut nicht ersichtlich.

Dass über einen so großen Zeitraum berichtet wird, zerpflückt außerdem die Handlung ziemlich, weil es nur selten vorkommt, dass aufeinander folgende Kapitel dieselbe Szene beschreiben. Meist finden zwischen den Kapitel Zeitsprünge von mehreren Wochen bis hin zu Jahren statt. Anfangs, als Thomas jeden Tag isoliert von anderen Kindern in seinem Zimmer und beim Unterricht oder beim Arzt verbringt, dachte ich noch, dass das eine gute Methode ist, einen Einblick in Thomas Leben zu geben, ohne den Leser zu langweilen. Allerdings ändert sich dieser Stil bis zum Schluss nicht. Bis zum Ende wird zwischen den Kapitel mal mehr, mal weniger Zeit übersprungen. Da die Kapitel außerdem ziemlich kurz sind (im Schnitt weniger als sieben Seiten), kam in den einzelnen Szenen weder Spannung noch Gefühl auf. Immer, wenn ich gerade soweit war, mich emotional auf das Erleben der Charaktere einzulassen, war das Kapitel schon wieder zu Ende Und das folgende Kapitel begann so gut wie immer mit groben Zusammenfassungen wie „Die vergangene Woche war die längste seines Lebens gewesen.“ (S. 76) oder „Fast ein Jahr war vergangen, seit (...)“ (S. 154). Solche Formulierungen sind optimal, um den Spannungsbogen zu brechen, aber nicht, um ihn aufrecht zu erhalten. Schlussendlich ist das Buch dadurch manchmal regelrecht langweilig gewesen.

Allein auf der sachlichen Informationsebene hat mir das Buch ganz gut gefallen. Zwar gibt es keine größeren Wendungen oder Überraschungen, da die Hintergrundgeschichte und der Weg der Charaktere ins Labyrinth eigentlich schon aus der Trilogie bekannt sind. Nichtsdestotrotz war es eine nette Auffrischung, noch mal auf einige Zusammenhänge hingewiesen zu werden, die Figuren ins Gedächtnis gerufen zu bekommen und hautnah die ganze Skrupellosigkeit von ANGST mitzuerleben. Viel mehr als mich in meiner Meinung zu den Charakteren zu bestärken, hat das Buch allerdings nicht gebracht.

Fazit:
Das Buch schildert aus Thomas‘ Perspektive die Handlung der zehn Jahren, die zwischen „Kill Order“ und der Trilogie liegen. Allerdings wird aus dem Erzählstil nicht deutlich, dass er zu Beginn fünf und zum Schluss fünfzehn Jahre alt ist, weil die Gedanken und Formulierungen immer gleich sind. Er macht keine sichtbare Entwicklung durch. Außerdem zerpflücken viele Zeitsprünge die gesamte Handlung. Jedes Kapitel ist eine abgehackte Szene, in der weder Spannung noch Gefühl aufkommen. Auf der Informationsebene war das Buch aber eine schöne Auffrischung der Ereignisse aus der Trilogie und hat mich in meiner Meinung bezüglich der Charaktere bestärkt. Als Fan der Reihe vergebe ich für das Wachrufen schöner Erinnerungen an das ansonsten langweilige Buch „Phase Null“ drei Schreibfedern.

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