Freitag, 8. Juli 2016

[Rezension] Die Farben des Blutes: Gläsernes Schwert – Victoria Aveyard



Titel: Die Farben des Blutes – Gläsernes Schwert
Autor: Victoria Aveyard
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 569
ISBN: 978-3-551583-27-7
Preis: 21,99 € [D]

Klappentext:
Eine Diebin, eine Prinzessin, eine Rebellin auf der Flucht – innerhalb weniger Wochen hat sich Mares Leben komplett gewandelt. Denn sie ist anders: Trotz ihres „gewöhnlichen“ roten Blutes besitzt sie übernatürliche Silber-Kräfte. Sie ist die Blitzwerferin. Und nur darauf kann sie sich verlassen, das hat sie ihre Zeit am Hof schmerzlich gelehrt.
In einer Welt in Aufruhr, wo Freunde zu Verrätern werden und Liebe sich in Hass verwandelt, kennt Mare nur ein Ziel: die zu finden, die so sind wie sie, rot und silbern. Denn sie könnten alles verändern. Das weiß auch der neue Silber-König, ihr einstiger Vertrauter, und eröffnet die Jagd. Aber schnell wird klar, dass er nur eins will – und zwar um jeden Preis: Mare.

Einordnung:
- Die rote Königin (Teil 1) 
- Gläsernes Schwert (Teil 2)
- Goldener Käfig (Teil 3)
- noch unbekannt (Teil 4)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Das Buch beginnt direkt mit voller Action. Es schließt nahtlos an das Ende des ersten Teils an, nicht eine Sekunde Zeit vergeht dazwischen. Die Erinnerungen an die Geschehnisse im vorherigen Band werden sehr kurz gehalten, sodass der Übergang außerdem sehr flüssig ist. Da ich den ersten Teil allerdings schon vor mehreren Monaten gelesen habe, musste ich die Lektüre noch einmal unterbrechen und mich erst wieder in die zahlreichen Namen hineindenken und sie den Geschehnissen zuordnen. Mein Plan, das während des Lesens zu tun, hatte sich schon im ersten Kapitel in Luft aufgelöst, denn die Handlung ist bereits dort so packend und mitreißend, dass keine Zeit zum Denken bleibt. Der erste Spannungshöhepunkt wird am Ende des ersten Kapitels erreicht. Das ist wirklich ein fulminanter Einstieg.

Diese Spannung bricht auch an keiner Stelle des Buches ab, denn die Autorin beweist in diesem Band einmal mehr, dass sie eine Meisterin der Verwicklungen und Verstrickungen ist. In „Die rote Königin“ musste Mare schmerzlich erkennen, dass jeder jeden verraten kann. Diese Weisheit trägt sie seitdem im Herzen, doch sie kann trotzdem nicht verhindern, dass das immer wieder geschieht. Obwohl sie sich geschworen hat, niemandem mehr zu vertrauen, ist sie manchmal auf Hilfe angewiesen – und gegen ihr Herz ist sie ohnehin machtlos. In jeder dieser Situationen stellt sie sich zusammen mit dem Leser die Frage, ob sie gerade in eine Falle tappt. Ihr ständiges Misstrauen hat sich nahtlos auf mich übertragen, sodass ich in jedem neuen Charakter immer nur das Schlechteste gesehen habe - und neue Charaktere tauchen in diesem Buch zur Genüge auf. Manchmal war dieses Misstrauen es gerechtfertigt, meist jedoch nicht. Doch in einer Welt, in der Intrigen in Intrigen angezettelt werden, Rebellen gegen ihre eigene Rebellion rebellieren, Familie und Freunde sich gegenseitig verraten und niemand sich irgendeiner Loyalität außer der eigenen sicher sein kann, herrschen genug Ungewissheit und Chaos, um Charakteren wie Lesern völlig den Kopf zu verdrehen.

Das Gleichgewicht zwischen dieser nervenaufreibenden Spannung und kurzen Ruhephasen zum Durchatmen ist der Autorin perfekt gelungen, denn das Buch besteht nicht nur aus blutigen Kämpfen um Leben und Tod, sondern führt auch konsequent die Handlung weiter. Nachdem Mare im ersten Teil erfahren hat, dass es noch andere Menschen gibt, die rotes Blut und silberne Fähigkeiten besitzen, beschließt sie, alles daran zu setzen, diese zu retten. Sie weiß, dass sie sich dabei einen Wettstreit mit König Maven liefert, doch die sogenannten Neublüter könnten der Scharlachroten Garde zum entscheidenden Siege verhelfen. Daher reist sie quer durch Norta, um die Menschen auf ihrer Liste zu finden und ihnen Training und Schutz zu bieten. Da es sich dabei um den Haupthandlungsstrang des Buches handelt, werden mehrere Rekrutierungen detailliert beschrieben, sowohl wie es im günstigsten Fall läuft als auch wie der ungünstigste Fall aussieht. Dabei wird die Geschichte jedoch keinesfalls langweilig, denn zum einen hat jeder rekrutierte Neublüter eine neue, unglaubliche Fähigkeit und zum anderen schafft die Autorin genau im richtigen Moment den Sprung zurück auf die spannungsgeladene Ebene, auf der sich Mare bald nicht nur von König Maven, sondern vom ganzen Land verfolgt sieht.

Der einzige Part der Geschichte, der mich ein bisschen zwiespältig zurücklässt, ist das Ende. Auf der einen Seite gefällt mir, dass nach und nach deutlich wird, dass die Scharlachrote Garde viel vernetzter ist als angenommen. Die ganze Rebellion nimmt immer größere Ausmaße an und die Autorin lässt viele Charaktere weit über den Tellerrand sehen. Obwohl Mare die Protagonistin ist, habe ich dabei langsam den Eindruck gewonnen, dass sie nur ein kleines Rädchen am Wagen ist, während die Entscheidungen eigentlich an ganz anderer und sehr viel höherer Stelle getroffen werden. Sie ist das Gesicht der Rebellion, aber nicht die Anführerin. Diese Rolle finde ich für ein 17jähriges Mädchen aus einem unbedeutenden Dorf um einiges realistischer und authentischer als eine Position, in der Entscheidungen getroffen werden, die nicht nur ein Land, sondern die ganze Welt betreffen.
Auf der anderen Seite hat sich die Autorin am Ende an einer entscheidenden Stelle leider ein Beispiel an Suzanne Collins genommen. Statt die komplette finale Schlacht dieses Teils in alle ihrer Dramatik darzustellen, hat sie beschlossen, dass Mare eine Art Blackout hat. Die Handlung bricht irgendwann kurz vor dem spannendsten Moment einfach ab und Mares Erinnerungen setzen erst wieder ein, als alles längst vorbei und sie meilenweit weg ist. Das hat mich wirklich enttäuscht, auch wenn ein Großteil des Kampfes noch geschildert wird und auch dieser wahnsinnig spannend ist. Das ist jedoch der einzige Moment, in dem ich das Buch nicht überragend fand.

Fazit:
Oft sind zweite Bände langweilige, inhaltslose Mittelteile. Dieses Buch ist das Gegenteil. Von der ersten Seite an ist die Geschichte packend, den ersten Höhepunkt erreicht sie am Ende des ersten Kapitels. Während die Handlung um Rote mit silbernen Fähigkeiten weiter getrieben wird, reiht sich ein Spannungsmoment an den nächsten. Die Rebellion nimmt immer größere Ausmaße an und die Scharlachrote Garde übertrifft sich selbst immer wieder. Und über allem schwebt Victoria Aveyards meisterliches Verständnis für Verwicklungen, Intrigen und Verrat. Dieses Buch ist ein wahrer Thriller. „Gläsernes Schwert“ gehört zu meinen Jahreshighlights und bekommt auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern.

Kommentare:

  1. Hi Jenny,

    das hört sich nach einem tollen zweiten Band an, welches ich auch unbedingt lesen will! Band 1 fand ich schon total spannend!

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hey Desiree,

      das Buch war wirklich richtig toll. Noch besser als der erste Teil! Also wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen! :)

      Grüße zurück,
      Jenny

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