Sonntag, 12. Juni 2016

[Rezension] Göttlich verdammt – Josephine Angelini



Titel: Göttlich verdammt
Autor: Josephine Angelini
Verlag: Dressler Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Mai 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 494
ISBN: 978-3-791526-25-6
Preis: 19,95 € [D]

Klappentext:
Die 16-jährige Helen lebt bei ihrem Vater auf Nantucket – und langweilt sich. Ihre beste Freundin Claire hofft, dass nach den Ferien endlich etwas Aufregendes passiert. Der Wunsch geht in Erfüllung, als die Familie Delos auf die Insel zieht. Alle sind hin und weg von den äußerst attraktiven Neuankömmlingen. Nur Helen spürt von Anfang an großes Misstrauen. Gleichzeitig plagen sie plötzlich düstere Albträume, in denen drei unheimliche Frauen Rache nehmen wollen. Es scheint eine Verbindung zwischen ihnen und Lucas Delos zu geben. Was dahintersteckt, erfährt Helen erst nach und nach: Lucas und sie stammen von Halbgöttern ab und sind dazu verdammt, einen erbitterten Kampf auszulösen – indem sie sich ineinander verlieben …

Einordnung:
- Göttlich verdammt (Teil 1)
- Göttlich verloren (Teil 2)
- Göttlich verliebt (Teil 3)

Rezension:
Da griechische Mythologie total ‚mein Ding‘ ist, war ich sehr gespannt auf das Buch. Der Anfang hat mir auch sehr gut gefallen. Das Leben der Protagonistin Helen ist wie immer so langweilig wie es in einem Dorf auf einer kleinen Insel nur sein kann. Das ändert sich, als die Familie Delos auf die Insel zieht. Plötzlich beginnt sie, sich zu verändern. Diese Veränderungen, wie beispielsweise ihre unbändige Wut, kann sie sich nicht erklären. Erst nach und nach finde sie gemeinsam mit dem Leser heraus, was mit ihr passiert.
Dabei wird Stück für Stück auch die griechische Mythologie eingeführt. Die meiste Zeit dreht sich diese Geschichtsstunde um den trojanischen Krieg, der ausbrach, als die schöne Helena ihren Ehemann Menelaos verließ, um mit Paris durchzubrennen. Diese Geschichte wird ausführlich genug aufbereitet, dass auch diejenigen Leser, die sie vorher nicht kannten, im Bilde sind, während einige Details, beispielsweise die Rolle des trojanischen Pferdes, für das Buch so abgewandelt werden, dass es auch für alle anderen nicht langweilig wird.

Als Helen dann allerdings erfährt, dass sie von Halbgöttern abstammt, nimmt sie das für meinen Geschmack viel zu gelassen hin. Sie ist nicht einen Moment lang skeptisch, überhaupt nicht verwirrt und glaubt das einfach ohne weitere Nachfragen. Natürlich bietet diese Offenbarung eine gute Erklärungsgrundlage für die seltsamen Dinge, die geschehen, und für Helens Fähigkeiten. Aber, ganz ehrlich, welcher Mensch, der bisher dachte, er würde in einer nur von Menschen bevölkerten Welt ohne Magie oder übernatürliche Kräfte leben, würde eine solche Erklärung einfach vorbehaltlos als Wahrheit hinnehmen? An dieser Stelle hätten Skepsis und Unglauben noch deutlich mehr ausgebaut werden können.

Auch bezüglich der Spannung weist das Buch einige Schwächen auf. Besonders die Vorhersehbarkeit ist enorm und reicht weit über die ‚normale‘ Vorhersehbarkeit von Jugendbüchern hinaus. Während so gut wie alle Dinge der Delos-Familie von Anfang an bewusst zu sein scheinen, ist Helen das genaue Gegenteil. Sie muss immer erst mit der Nase darauf gestoßen werden, bis sie die Zusammenhänge versteht. Dabei sind die Parallelen zur griechischen Mythologie oftmals so gut wie wortwörtlich ins Buch aufgenommen. Die für sie großen Überraschungsmomente sind dem Leser daher teilweise schon seit mehreren Kapiteln bekannt, sodass es häufig nur noch die Nennung des Offensichtlichen ist.
Hinzu kommt, dass es mehr als 400 Seiten dauert, bis die Geschichte einen roten Faden bekommt. Es ist nicht so als wären die Szenen bis dorthin chaotisch oder sinnlos, aber bis zu diesem Punkt ist das einzige Ziel, das Helen verfolgt, zu überleben – und das im Grunde sogar ohne konkrete Gefahr für ihr Leben. Es kommt kaum Spannung auf, weil das Buch auf nichts hinauszulaufen scheint. Normalerweise wollen die Protagonisten jemanden retten, ein Regime stürzen, einen Fluch brechen, ein Ziel erreichen etc., doch sehr lange Zeit lebt Helen in dieser Geschichte einfach nur ihr zugegebenermaßen gewaltig verändertes Leben und versucht, nicht versehentlich zu sterben. Das ändert sich erst ganz am Ende des Buches.

Fazit:
Protagonistin Helen setzt sich gemeinsam mit dem Leser mit griechischer Mythologie auseinander, entdeckt neue Fähigkeiten und findet Erklärungen für bekannte Ungereimtheiten. Die Darstellung der Mythologie ist für Kenner wie Nichtkenner gelungen, allerdings nimmt Helen die Erkenntnisse leider ohne jegliche Skepsis hin. Zudem fehlt beinahe komplett die Spannung, da sich zum einen eine Offensichtlichkeit an die nächste reiht, und die Geschichte zum anderen fast bis zum Schluss kein Ziel hat - außer dass Helen in einem kleinen Dorf auf einer kleinen Insel beinahe ohne jegliche akute Bedrohung ihres Lebens überleben muss. Der Anfang von „Göttlich verdammt“ ist gut gemacht und mir gefallen die leider etwas spärlichen Parallelen zur griechischen Mythologie, aber mehr als drei Schreibfedern kann ich trotzdem nicht vergeben.

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