Sonntag, 18. Oktober 2015

[Rezension] Die Farben des Blutes: Die rote Königin – Victoria Aveyard



Titel: Die Farben des Blutes – Die rote Königin
Autor: Victoria Aveyard
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 28. Mai 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 501
ISBN: 978-3-551583-26-0
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit im Schloss des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten!
Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie vom Herrscherpaar als Silber-Adelige ausgegeben und mit einem Prinzen verlobt. Ihre Gefühle bringt allerdings ein anderer durcheinander. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Dabei riskiert sie ihr Leben – und ihr Herz ...

Einordnung:
- Die rote Königin (Teil 1)
- Gläsernes Schwert (Teil 2)
- Goldener Käfig (Teil 3)
- noch unbekannt (Teil 4)

Rezension:
Die Autorin hat in diesem Buch eine interessante Welt konzipiert. Die Menschen mit silbernem Blut besitzen besondere Fähigkeiten, wie die Gabe, Metall, Wasser oder Feuer zu kontrollieren, sich selbst zu vervielfachen oder zu heilen, oder in die Köpfe anderer Menschen einzudringen und sie zu manipulieren. Wegen dieser Fähigkeiten sehen sie sich selbst als Götter an und leben in überschäumendem Reichtum. Sie behandeln die Menschen mit rotem Blut, die einfach normale Sterbliche sind, wie ihre Diener. Diese Menschen müssen jeden Tag ums Überleben kämpfen und werden in einem sinnlosen Krieg der Silbernen verheizt, wenn sie keine Arbeitsstelle finden.
Mare, die Protagonistin, ist eine solche Rote, die jeden Tag ihresgleichen bestiehlt, um wenigstens irgendwie für ihre Familie nützlich sein zu können. Als Taschendiebin ist sie viel unterwegs, sodass der Leser zunächst Einblicke in die Gesellschaft der Roten und in ihre Sicht auf die silbernen Herrscher bekommt. Nachdem sich dann herausgestellt hat, dass sie als Rote besondere Fähigkeiten besitzt, wird sie in die in die Welt der Silbernen eingeführt, sodass der Leser nun auch von dort Eindrücke bekommt. Dadurch hat sich die Autorin lange Beschreibungen der Welt gespart und erklärt stattdessen nebenbei an der aktuellen Handlung die Gegebenheiten. Deshalb bleibt die Geschichte flüssig, denn die Handlung wird schnell immer weiter vorangetrieben. Bald wird so deutlich, dass die vermeintlich starre, sichere und starke Gesellschaftsstruktur gar nicht so unantastbar ist, dass es eine Hierarchie in der Hierarchie gibt und vor allem, dass die Silbernen keine verschworene Gemeinschaft sind, sondern mehr oder weniger aneinander vorbei leben.

Es sind jedoch nicht nur diese grundsätzlichen Dinge, bei denen Mare feststellen muss, dass ihr Eindruck von der silbernen Gesellschaft nicht besonders zutreffend war. Da außer der Königsfamilie niemand weiß, dass Mare eine Rote ist, spielt sie jeden Tag ein Katz-und-Maus-Spiel mit der ganzen Welt. Immer wieder schöpfen verschiedene Menschen Verdacht, sodass jeder Tag aufs Neue spannend ist, denn es ist nie klar, ob Mare diesen Tag überstehen wird.
Da sie durch ihre Verlobung mit einem der beiden Prinzen direkt in der Machtzentrale sitzt, muss sie außerdem bald feststellen, dass es überall Intrigen gibt. Doch die Autorin schraubt den Spannungsbogen noch etwas höher, denn sie lässt ihre Charaktere Intrigen in Intrigen anzetteln, sodass der Leser nie sicher sein kann, wer ein doppeltes oder sogar ein dreifaches Spiel spielt. Doch auch das ist nicht immer so. Es gibt vermeidlich böse Charaktere, die sich später als gut herausstellen, und gute Charaktere, die sich als böse herausstellen. Aber es gibt auch böse Figuren, die tatsächlich böse sind, so wie es auch gute Figuren gibt, die tatsächlich gut sind. Erst am Ende des Buches offenbart sich das wahre Gesicht der Charaktere. Viele Wendungen in der Geschichte sind deshalb in keiner Weise vorhersehbar.

Gerade das Ende ist es auch, das mir extrem gut gefällt, weil ich es als unglaublich realistisch empfinde. Es sind viele grausame Dinge passiert in der Geschichte, sodass die Ergebnisse tatsächlich über allem schweben und niemanden unberührt lassen. Das Buch steckt so voller Verrat von jedem an jedem, dass Beziehungen dort keinen Bestand haben können. Gefühle weichen gemeinsamen Zielen, Zuneigung weicht der Begleichung von Schulden. Dadurch ist die Liebesgeschichte in gewisser Weise tragisch, vor allem aber sehr schön und realistisch dargestellt. Am Ende bleibt dem Leser nicht anderes übrig, als zu hoffen.

Fazit:
Die Autorin verbindet in diesem Buch geschickt die Handlungen mit Erklärungen der Welt, die sie konzipiert hat. Dadurch bewegt sich die Geschichte stetig vorwärts und dem Leser bleiben seitenlange Monologe erspart. Spannend sind außerdem die Figuren. Einige Charaktere sind, was sie zu sein scheinen, einige spielen ein doppeltes und andere sogar ein dreifaches Spiel. Verrat und Grausamkeit lauern hinter jeder Ecke und überschatten das gesamte Buch, sodass selbst der Funke der Liebesgeschichte darin erlischt. Da mich das Buch zwar begeistert, aber nicht vollständig vom Hocker gehauen hat, bekommt „Die rote Königin“ vier Schreibfedern von mir.

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