Dienstag, 27. September 2016

Neuzugänge #68


So ganz war meine Glückssträhne wohl doch noch nicht gerissen. Es sind noch ein paar Bücher dazu gekommen. Damit ist es für diesen Monat aber erst mal gut. Sofern ich es schaffe, mich zu beherrschen, gibt es die nächsten Neuzugänge erst Ende Oktober - also habe ich genug Zeit, ganz viele bisherige Neuzugänge zu lesen!


Bei der Bewerbung zur Leserunde zu "Shilsas - In den Nebeln" hatte ich kein Glück, aber die Autorin war so nett, mir stattdessen ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Ich bin schon sehr gespannt, da mir bisher alle Bücher von Chris P. Rolls wirklich gut gefallen haben. Die zahlreichen Einblicke in das Buch, die sie auf Facebook gepostet hat, haben mich ausgesprochen neugierig gemacht. Sobald ich mit dem aktuellen Buch durch bin, werde ich mich darauf stürzen.
Dieses aktuelle Buch ist "Gefangen zwischen den Welten". Das habe ich bei lovelybooks für eine Leserunde gewonnen. Da mir der Klappentext und die Leseprobe gefallen haben und ich das Cover auch schön finde, muss jetzt nur noch der restliche Inhalt stimmig sein, um es zu einem Jahreshighlight zu machen. Leider bin ich mit dem Lesen gestern nicht über das erste Kapitel hinausgekommen.
Daran ist "Harry Potter und das verwunschene Kind" Schuld. Nachdem das Buch dann gestern endlich mal bei mir angekommen ist, habe ich es in einem Rutsch durchgelesen. Im ersten Moment dachte ich, diese Geschichte würde alles zerstören, weil mir Harry wieder extrem unsympathisch war und ich zu Albus auch keinen Zugang gefunden habe. Aber das hat sich dann zum Glück ziemlich schnell gelegt. Schlussendlich bin ich jetzt begeistert und finde es wirklich schade, dass ich das Stück wohl niemals auf der Bühne sehen werde. Meine Rezension folgt in den nächsten Tagen.

Montag, 26. September 2016

[Rezension] In einer anderen Welt – Jo Walton



Titel: In einer anderen Welt
Autor: Jo Walton
Verlag: blanvalet
Erscheinungsdatum: 15. August 2016
Einband: Softcover
Seiten: 415
ISBN: 978-3-734160-68-4
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Morwenna ist auf der Flucht vor der Erinnerung an den Tod ihrer Zwillingsschwester. Nun muss sie auch noch ihre Heimat, das märchenhafte Wales, verlassen und damit ihre einzigen Freunde. In einem Mädcheninternat hofft sie, wieder zu sich selbst zu finden, doch die Schülerinnen machen es ihr alles andere als einfach. Verzweifelt greift Morwenna daher zu der Magie, die sie seit ihrer Kindheit begleitet, und zu ihren Büchern. Denn diese öffnen Tore zu anderen Welten – und das nicht nur im übertragenen Sinne ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Der Titel des Buches und besonders der Klappentext legen die Vermutung nahe, dass die Protagonistin Morwenna entweder direkt in die Welten diverser Bücher reist oder zumindest mit den Figuren aus den Geschichten zu tun bekommt. Es ist jedoch weder das eine noch das andere der Fall. Die Bücher haben mit der Magie, die in dieser Geschichte vorkommt, schlichtweg überhaupt nichts zu tun, obwohl sie so gut wie alle dem Genre Science-Fiction zuzuordnen sind. Stattdessen besteht der Fantasy-Teil des Buches aus Feen, die fast nur Kinder sehen können, und verwirrender, abstrakter Magie, die Morwenna als Auslöser für zufällige Ereignisse betrachtet. Bis zum Schluss konnte ich dabei den Verdacht nicht abschütteln, dass das alles nur ihrer eigenen Fantasie entspringt, früher kindliche Vorstellungskraft war und jetzt als Verarbeitungsform für ihre posttraumatische Belastungsstörung wirkt. Doch selbst wenn die Feen und die Magie tatsächlich existieren, sind sie Auslöser für die Geschichte, aber sonst eigentlich vollkommen irrelevant.

Generell handelt es sich bei dem Buch um Morwennas Tagebuch. Es gibt daher keine einzelnen Kapitel, sondern nur das jeweilige Datum als Überschrift. Morwenna erzählt die Ereignisse des Tages, schildert ihre Gedanken und listet auf, welche Bücher sie gelesen hat. In so gut wie jeder anderen Geschichte wäre das vielleicht spannend gewesen, aber in Morwennas Leben passiert einfach nichts. Die Tagebucheinträge sind genauso langweilig wie es die Einträge der meisten Leser wohl auch wären.
Zu Beginn des Buches lässt sie sich ausführlich über Wales aus und darüber, wie die Täler in den Bergen besiedelt wurden. Zwischendurch erzählt sie ihren Familienstammbaum der letzten fünf Generationen. Obwohl sie selbst anmerkt, dass eine Zeichnung wohl praktischer gewesen wäre, finden sich ellenlange Abhandlungen darüber, wie ihre Ururgroßeltern und deren Geschwister hießen, wen sie geheiratet haben, woher sie stammten und welcher Religion sie angehört haben. Dazu gehört dann immer eine Auflistung der unzähligen Kinder (bis zu fünfzehn Kinder einer einzigen Person!), meist auch inklusive Namen, die ich alle im nächsten Satz schon wieder vergessen habe. Um alles noch verwirrender zu machen, berichtet sie nicht chronologisch über die Generationen und nennt beinahe jede weibliche Person in ihrer Familie „Tantchen“. Irgendjemand, der in den letzten fünf Generationen ihrer Familie angehört hat, war Franzose und irgendjemand anders Russe, mehr ist von den Dutzenden Seiten Familienstammbaum nicht hängen geblieben.
Neben den endlosen Beschreibungen der Vergangenheit, schildert Morwenna auch ihre aktuellen Erlebnisse an der neuen Schule. Dabei dreht sich fast alles nur um Honigbrötchen oder die Sportstunden, die sie wegen einer Behinderung in der Bibliothek verbringt. Sie führt ein relativ normales Leben und daran ändert sich auch im Laufe des Buches nichts. Sie ist einfach nur ein fünfzehnjähriges Mädchen, das zur Schule geht und Bücher liest. Das gipfelt in Einträgen wie dem vom 11. Dezember 1979, der außer „Klassenarbeiten. Mathe und Französisch.“ (S. 201) nichts besagt. Dieses Spannungsniveau hat das gesamte Buch.
Gefreut hatte ich mich am meisten auf die Bücher, die Morwenna im Laufe der Geschichte lesen würde. Ziemlich schnell hat sich allerdings herausgestellt, dass das auch nur eine langweilige Auflistung ist. Sie liest unglaublich viel, daher lässt sie sich nie ausführlich über die Bücher aus, sondern nennt meist nur Titel und Autor und in einem Satz ihre Meinung, hin und wieder erwähnt sie auch den Verlag oder stellt sich Fragen zum Inhalt, denen ich, da ich die Bücher beinahe alle nicht kenne, nicht folgen konnte. Es ist also unmöglich, dem Buch Leseempfehlungen zu entnehmen, da zum Inhalt der Bücher überhaupt nichts gesagt wird. Zudem verbringt Morwenna mehrere Stunden täglich in der Bibliothek, sodass sie im Laufe der Geschichte bestimmt eine dreistellige Anzahl von Titeln und Autoren erwähnt – davon kannte ich Der Herr der Ringe, Narnia und Per Anhalter durch die Galaxis.

Der einzig positive Punkt an diesem Buch ist der Schreibstil. Anfangs fand ich es störend, dass eine Fünfzehnjährige sich so gewählt und bildet ausdrückt wie eine Fünfzigjährige, aber daran habe ich mich gewöhnt. Obwohl in der Geschichte absolut überhaupt gar nichts passiert, ließen sich die Sätze doch flüssig lesen. Das Buch beginnt an einem beliebigen Punkt und endet auch dort, ohne dass dahinter ein tieferer Sinn steckt, aber ich hatte während des Lesens immerhin nie den Wunsch, dass es doch bitte endlich enden möge.

Fazit:
Titel und Klappentext des Buches führen in die Irre. Die wenige Magie, die in der Geschichte vorkommt, hat nichts mit Büchern zu tun und ist mir generell eher suspekt. Auch der Rest der Geschichte konnte mich nicht packen, weil einfach überhaupt nichts passiert. Das Buch ist das Tagebuch der Protagonistin Morwenna und sie erzählt lediglich ein wenig walisische Geschichte, listet in einer endlosen Abhandlung Namen und Herkunft ihrer unzähligen Familienmitglieder der letzten fünf Generationen auf, schildert ihre Erlebnisse in der Schule, die beinahe ausschließlich Stunden in der Bibliothek umfassen, und nennt eine unendliche Anzahl Bücher, die sie gelesen hat, ohne genauer auf den Inhalt einzugehen. Handlung gibt es im Grunde nicht. Mir hat lediglich der Schreibstil gefallen, da ich so immerhin flüssig durch die Langweile kam. Dafür bekommt „In einer anderen Welt“ gerade noch so zwei Schreibfedern.


Ich bedanke mit beim blanvalet Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] Nacht ohne Sterne – Gesa Schwartz



Titel: Nacht ohne Sterne
Autor: Gesa Schwartz
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 28. September 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 542
ISBN: 978-3-570163-20-7
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Die 16-jährige Naya ist Tochter einer Elfe und eines Menschen. Ein Mischwesen, das keine Magie zu beherrschen scheint und sich weder der geheimnisvollen Elfenwelt New Yorks noch der Welt der Menschen gänzlich zugehörig fühlt. Ihr bester Freund Jaron ist ein Lichtelf, der New York vor den Machenschaften der Dunkelelfen bewahren soll. Doch dann wird Naya mitten hinein gezogen in den jahrhundertealten Krieg zwischen den beiden Völkern. Und als sie den Dunkelelf Vidar kennenlernt, wird all ihr bisheriges Wissen auf den Kopf gestellt. Welche Ziele verfolgt Jaron, welche Geheimnisse verbirgt Vidar? Wem kann sie trauen? Naya muss auf ihr Herz hören, doch das ist leichter gesagt als getan ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch hat einen etwas anderen Ansatz, da der Protagonistin Naya schon zu Beginn des Buches bewusst ist, dass sie eine Halbelfe ist. Sie ist mit den Geschichten und Legenden der Licht- wie der Dunkelelfen aufgewachsen. Ihr ist bewusst, dass die Menschenwelt und die Elfenwelt sehr nah beieinander liegen und sich zum Teil sogar überschneiden. Zudem hatte sie bereits Auseinandersetzungen mit Wesen aus der Schattenwelt und Jaron, ihr bester Freund, ist ein Lichtelf. Damit muss sie die Welt der Elfen nicht völlig neu für sich entdecken, sondern ist über viele Dinge bereits informiert, die sie daher als selbstverständlich annimmt. Für den Leser werden allerdings trotzdem gerade genug Erklärungen mitgeliefert, damit die Handlung nachvollziehbar ist.

Doch da Geschichten und Legenden selten mehr als einen wahren Kern haben, gibt es auch für Naya noch viel Neues zu entdecken. Je mehr sie über die Welt der Elfen herausfindet, desto mehr wird sie von der passiven Erzählerin zur aktiven Protagonistin. Sie setzt ihren eigenen Willen durch, trifft ihre eigenen Entscheidungen und nimmt ihr Leben selbst in die Hand, sodass sie bis zum Schluss auf ihrer eigenen Seite steht. Dadurch ist sie in der Lage, über den blinden Hass zwischen den Licht- und den Dunkelelfen hinauszusehen. Letztlich hilft ihr das dabei zu erkennen, dass die Jahre voller Hass und Vorurteile die Geschichten über die Elfen mehr geprägt haben als die Wahrheit. Die überraschenden Entwicklungen, die daraus entstehen, machen das Buch sehr spannend. Gerade zum Ende hin überschlägt sich die Handlung, sodass die Geschichte immer mitreißender wird. Da es sich außerdem um einen Einzelband handelt und somit die gesamte Geschichte in einem Buch erzählt werden muss, gibt es keine unnötigen Längen oder langweilige Nebenhandlungen.

Durchweg spannend ist das Buch allerdings nicht, da einige Erkenntnisse und Geschehnisse doch sehr vorhersehbar sind. Das hält sich aber in Grenzen. Viel mehr hat meinen Lesefluss gestört, dass ich den weitschweifigen, kunterbunten Beschreibungen der Autorin häufig nicht folgen konnte. Das beginnt mit den Träumen, die für die Elfen eine große Rolle spielen. Sie stehlen sie den Menschen, da sie selbst nur selten träumen können. Allerdings ist mir bis zum Schluss nicht klar geworden, wofür sie die eigentlich brauchen. Mehrfach machen sie irgendetwas mit diesen Träumen, aber die farbenfrohen, rauschenden Beschreibungen haben mich so verwirrt, dass ich nie sicher war, ob da jetzt wirklich etwas geschieht oder ob das Metaphern sind.
Das gilt auch für viele andere Situationen. Immer wieder tauchen Szenen und Erinnerungen als bunte Lichter auf, Orte verändern sich ständig und Geräusche und Gespräche lang Verstorbener wehen durch die Luft. Die Beschreibungen der Autorin sind sanft und flüssig, aber trotzdem irgendwie nicht greifbar. Ich wusste nie, was genau ich mir unter den Beschreibungen vorstellen sollte. Außerdem konnte nicht unterscheiden, ob die Charaktere sich tatsächlich an einem Ort befunden haben oder das nur durch irgendeine Magie vor ihrem inneren Auge gesehen haben, weil sich diese Alternativen ständig miteinander vermischt haben. Häufig hatte ich das Gefühl, dass sich Naya schwerelos durch ein buntes Traumland bewegt hat, während sie aber dann aber tatsächlich auch irgendwie den Ort gewechselt hat. Und das alles war immer begleitet durch zahllose Farben und Töne, Geräusche und Empfindungen, die in einer unzusammenhängenden Kaskade über mich hinweg geflutet sind. Prinzipiell wirkt dieser Stil mit seinen vielen Metaphern beinahe magisch, allerdings habe ich deshalb viele Aspekte der Handlung nicht richtig nachvollziehen können. Häufig wusste ich schlichtweg nicht, was gerade tatsächlich passiert und Naya tatsächlich gefährlich werden kann, und was einfach nur farbenfroh beschriebene, kreative Auswüchse ihrer Fantasie waren.

Fazit:
Zu Beginn des Buches ist die Protagonistin Naya auf einem anderen Wissensstand als der Leser, da ihr die Welt der Elfen bereits bekannt ist. Dennoch reichen die Erklärungen aus, um der Geschichte folgen zu können. Im Laufe der Handlung wird bald außerdem deutlich, dass blinder Hass und Vorurteile die Geschichten über die Elfenwelt mehr geprägt haben als die Wahrheit. Dadurch gibt es viele überraschende Wendungen, die das Buch spannend machen. Es ist außerdem mitreißend geschrieben und hin und wieder wirkt der Stil beinahe magisch. Allerdings kam ich mir manchmal vor wie in einem Kaleidoskop, in dem ich nicht zwischen Traum und Realität unterscheiden konnte, sodass ich den Faden der Handlung verloren habe. Etwas weniger vage Farbkaskaden hätten es auch getan, dann wäre die Handlung greifbarer gewesen. Daher bekommt „Nacht ohne Sterne“ insgesamt vier Schreibfedern.

Mittwoch, 14. September 2016

[Rezension] Angelfall: Nacht ohne Morgen – Susan Ee



Titel: Angelfall – Nacht ohne Morgen
Autor: Suan Ee
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 08. August 2016
Einband: Softcover
Seiten: 397
ISBN: 978-3-453315-20-4
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Zerstörte Städte, rauchende Trümmer und verängstigte Menschen, die von Schatten zu Schatten huschen – sechs Wochen nach der Apokalypse gehören diese Bilder zum Alltag. Ebenso wie die Engel, die jetzt über die Erde herrschen und die wahllos Menschen entführen. Doch als sie die kleine Schwester der toughen Penryn verschleppen, beschließt diese zu kämpfen und ihre Schwester zurückzuholen. Koste es, was es wolle ...

Einordnung:
- Nacht ohne Morgen (Teil 1)
- Tage der Dunkelheit (Teil 2, erscheint im Januar 2017)

Rezension:
Schon mit dem ersten Kapitel wird der Leser mitten in die postapokalyptische Welt geworfen, in der die Protagonistin Penryn mit ihrer Mutter und ihrer Schwester lebt. Im Schutz der Dunkelheit verlassen sie ihre Wohnung, um einen sichereren Zufluchtsort zu finden. Doch unterwegs wird Penryns kleine Schwester Paige entführt. Von da an zählt für Penryn nur noch die Suche nach ihrer Schwester. Sie will sie um jeden Preis finden und retten. Dabei hat sie keine Ahnung, worauf sie sich eigentlich einlässt. Da geht es ihr ebenso wie dem Leser. In den ersten Kapiteln hatte ich damit noch meine Schwierigkeiten, weil ich mich erst in dieser neuen Welt zurechtfinden musste. Doch mit der Zeit steigt die Spannung immer mehr an, da nie klar ist, was als nächstes passieren wird. Auf der Erde herrschen Tod, Zerstörung und Gewalt. Doch hinter jedem Baum, hinter jeder Tür, in jedem Schatten könnte etwas noch Schrecklicheres warten. Immer wieder erwischen die neuen Erkenntnisse auch Penryn auf dem falschen Fuß, sodass jede neue Situation Spannung bereithält.

Penryn selbst ist eine starke Protagonistin. Obwohl sie kaum Kontrolle über ihr Leben hat, ist sie sehr gefasst. Außerdem beherrscht sie jede erdenkliche Kampfsportart, sodass sie sich gut zur Wehr setzen kann. Mehrfach kommt ihr das in der Geschichte zugute. Das wirkt gleichzeitig aber nicht abgehoben oder übertrieben, denn es gibt einen sehr guten Grund dafür, dass sie schon früh gelernt hat, sich auf jede erdenklich Weise zu verteidigen. Das tut sie jedoch nicht nur mit sich, sondern auch mit ihrer Familie. Insbesondere ihrer Schwester gegenüber verhält sie sich sehr loyal. Sie hält ihre Ideale hoch, auch wenn die Zivilisation in Trümmern liegt. Das macht sie zu einer sehr sympathischen Protagonistin.

Obwohl Penryn 17 Jahre alt ist, also das prototypische Alter einer Protagonistin aus einer Jugendbuch-Dystopie hat, wirkt sie in vielen Szenen sehr viel älter und reifer. Das gesamte Buch macht oft nicht den Eindruck eines Jugendbuches. Der Stil ist anspruchsvoller als erwartet. Außerdem hat sich die Autorin viel Zeit gelassen für die einzelnen Entwicklungen von Situationen, Intrigen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Dadurch wirkt die Geschichte authentischer. Dazu passt auch das Ende dieses ersten Buches, das durchaus Lichtblicke hat, insgesamt aber doch eher einer Katastrophe ist.

Fazit:
Es hat einige Kapitel dauert, bis ich in die Geschichte hinein gefunden habe, aber dann war ich begeistert. Protagonistin Penryn ist eine sehr sympathische, starke junge Frau. Sie wirkt häufig älter als 17 Jahre und beeindruckt durch kämpferische Fähigkeiten und Loyalität. Da sie ebenso wenig eine Ahnung hat, worauf sie sich einlässt, wie der Leser, entsteht außerdem viel Spannung. Das alles in eingebettet in authentische Entwicklungen und anspruchsvollen Stil, sodass das Buch nur selten wie ein Jugendbuch wirkt. Insgesamt vergebe ich an „Angelfall – Nacht ohne Morgen“ daher vier Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 9. September 2016

[Rezension] Anything Could Happen – Will Walton



Titel: Anything Could Happen
Autor: Will Walton
Verlag: Push Verlag
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 281
ISBN: 978-0-545709-54-5
Preis: 15,83 € [D]

Klappentext:
Tretch lives in a very small town where everybody's in everybody else's business. Which makes it hard for him to be in love with his straight best friend. For his part, Matt is completely oblivious to the way Tretch feels and Tretch can't tell whether that makes it better or worse. 
The problem with living a lie is that the lie can slowly become your life. For Tretch, the problem isn't just with Matt. His family has no idea who he really is and what he's really thinking. The girl at the local bookstore has no clue how off-base her crush on him is. And the guy at school who's a thorn in Tretch's side doesn't realize how close to the truth he's hitting. 
Tretch has spent a lot of time dancing alone in his room, but now he's got to step outside his comfort zone and into the wider world. Because like love, a true self can rarely be contained.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Dass bereits im Klappentext erklärt wird, dass Tretchs bester Freund Matt, den er heimlich liebt, heterosexuell ist, hat mich nachdenklich gestimmt. Das schienen mit nicht die besten Voraussetzungen für ein Happy End zu sein. Bereits nach den ersten Seiten wusste ich aber: Ich würde mit jedem Ende zufrieden sein, auch wenn Tretch und Matt nicht zueinander finden würden. Das Buch ist von Beginn an so herzerwärmend geschrieben, dass allein das Lesen an sich ein absoluter Genuss war.

Daher stört es mich nicht, dass die Handlung in diesem Buch weniger wichtig ist als die Essenz, die Tretch daraus zieht. Im Grunde folgt die Handlung auch nicht wirklich einem roten Faden. Es wird erzählt, wie die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest getroffen werden, wie das Fest selbst stattfindet, wie die Tanzparty am Silvesterabend verläuft und wie eine Kuh mit Hilfe von Tretchs Familie ein Kalb zur Welt bringt. Dies könnte jedoch durch beliebige andere Ereignisse ausgetauscht werden, denn wirklich wichtig sind die zwischenmenschlichen Begegnungen und die Entwicklung. Der Leser kann Tretch begleiten auf dem Weg, einen Platz in der Welt zu finden. Es gibt viele Ereignisse, an denen er wächst. Dabei spielt die Tatsache, dass er schwul ist, nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich muss er sich damit beschäftigen, dass er sich irgendwann wird outen müssen. Aber im Laufe der Geschichte muss er sich außerdem mit dem Tod auseinandersetzen, sich von einer Liebe, die niemals erwidert werden wird, nicht zerstören lassen, Demütigung überstehen, Traurigkeit erfahren, Zufriedenheit verspüren, neue Freundschaften schließen und feststellen, dass Liebe sehr vielseitig ist. Doch obwohl das alles viel wichtiger ist als die eigentliche Handlung, driftet das Buch nie in philosophische Monologe ab.

Um all das zu erzählen, schlägt der Autor sehr sanfte und weiche Töne an. Obwohl seine Liebe zu Matt aussichtslos ist, ist Tretch nicht verbittert. Er versucht sich sogar für ihn zu freuen, als Matt eine Freundin findet. Das ist ein sehr sympathischer Charakterzug. Dass Tretch feststellen muss, dass er sich manchmal aber einfach nicht für die beiden freuen kann, so sehr er es auch versucht, macht ihn nur umso liebenswerter. Das Buch schildert sehr gefühlvoll und berührend, wie Tretch sich entwickelt. Dabei erfährt er jedoch nicht nur die negativen, dramatischen Seiten des Lebens, sondern auch die positiven, freudvollen Dinge. Bis zum Schluss ist fast jeder Augenblick passend gewählt, jeder Erkenntnis gefühlvoll in Szene gesetzt und das alles verpackt in eine perfekte Mischung aus Dingen, die passieren, und Dingen, die eben gerade im Rahmen dieses Buches nicht passieren.

Fazit:
Bereits nach den ersten Seiten hatte das Buch mich voll und ganz überzeugt. Es ist so herzerwärmend geschrieben, dass es mich wirklich berührt hat. Obwohl die Handlung weniger wichtig ist als die Essenz, die Tretch daraus zieht, sind philosophische Monologe in diesem Buch nicht zu finden. Es geht in der Geschichte nicht um einen unglücklich verliebten, schwulen Jungen, sondern um die Vielseitigkeit des Lebens, um Freundschaft und Liebe und darum, einen Platz in der Welt zu finden, um sich selbst zu entfalten. Insgesamt mochte ich das Buch sehr gern, allerdings muss man dafür wirklich die richtige Stimmung erwischen. Daher bekommt „Anything Could Happen“ vier Schreibfedern von mir.