Montag, 29. August 2016

[Rezension] Girl in Black – Mara Lang



Titel: Girl in Black
Autor: Mara Lang
Verlag: Ueberreuter Verlag
Erscheinungsdatum: 15. August 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 396
ISBN: 978-3-764170-63-9
Preis: 17,95 € [D]

Klappentext:
Die 19-jährige Lia hat ein dunkles Geheimnis: Sie ist ein Seelenauge und kann die Gefühle anderer Menschen lesen, sie sogar beeinflussen. Eine machtvolle Gabe, wegen der sie in die Fänge der italienischen Mafia gerät. Der einzige Ausweg scheint die Flucht. Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt versucht sie, ein neues Leben zu beginnen, ohne die Familie, ohne ihre Gabe und ohne jegliche Emotionen. Für sie zählt nur eins: Endlich ihren Traum zu verwirklichen und Modedesignerin zu werden. Doch die Schatten ihrer Vergangenheit holen Lia ein und bringen nicht nur sie in Gefahr, sondern auch ihre neuen Freunde – insbesondere Nevio, der sie stärker berührt, als sie erwartet hätte ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Die Geschichte beginnt rasant. Der Leser kippt direkt in die Handlung und in eine der spannendsten Szenen des Buches, denn bereits in den ersten Kapiteln wird Lia als starke Protagonistin vorgestellt. Sie kämpft für ihren Traum, Modedesignerin zu werden, und darum, ihr eigenes Leben leben zu dürfen, fern ab von der Mafia, die sie kontrollieren und sogar zwangsverheiraten will. Dabei nimmt sie einen aktiven Part ein und die Dinge selbst in die Hand. Actionreich ist außerdem auch das Ende der Geschichte, als die Handlung sich überschlägt, alle Fäden zusammenlaufen und es mit vielen Charakteren zu einem blutigen Showdown kommt. Zwar fand ich das Buch zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr emotional, aber einige Wendungen konnten mich doch noch überraschen.

Zwischen dem Anfang und dem Ende verflacht die Geschichte aber leider ordentlich. Nach der Beschreibung ihrer Flucht vor der Mafia und ihrer Angst vor der Gabe, Gefühle lesen und kontrollieren zu können, wendet sich Lia den Dingen zu, die sie sich für ihr Leben wünscht. Sie findet extrem schnell Freunde, beste Freunde auf den ersten Blick sozusagen, und die vermitteln ihr einen Job, natürlich bei einem Designer, damit sie damit anfangen kann, ihren Traum vom Modedesign zu leben. Dass sie sich vor der Mafia ebenso verstecken muss wie vor der Polizei, tritt in den Hintergrund. Auch ihre Gabe spielt keine große Rolle mehr, da sich die Geschichte fortan hauptsächlich um Mode dreht. Ständig werden Kleidungsstücke genäht, verbessert, entworfen, getragen und fotografiert, wobei eine Vielzahl von Stoffen, Farben, Schnitten und Accessoires zum Einsatz kommt. Irgendwann habe ich darunter den Faden verloren. Der Trubel der Fashion Week ging dann völlig an mir vorbei, da ich durch die ganzen Beschreibungen so verwirrt war, dass ich mir keines der Kleider vorstellen konnte. Dass der Kampf gegen die Mafia, die nur sporadisch hin und wieder eine Rolle gespielt hat, am Schluss irgendwie in einen Wettbewerb darum ausartet, wer das schönere Kleid designen kann, war mir dann völlig suspekt. Mit Nadel und Faden statt Pistole und Messer konnte ich nicht wirklich etwas anfangen.

Außerdem habe ich mich nach einer anfänglich guten Beschreibung immer schwerer mit Lias Gabe getan. Zu Beginn hat sie Angst vor ihren Gefühlen, weil sie ihre Gabe nicht kontrollieren kann. Sie hat keinerlei Macht über andere und die Spuren, die die Gabe auf ihrer Haut hinterlässt, kann sie kaum verbergen, weil ihr Schutzschild nicht stark genug ist. Das ändert sich jedoch ganz plötzlich, als sich die Gabe scheinbar über Nacht selbst perfektioniert - ein Wunder, das Lia im Buch selbst anmerkt. Das hat mir jedoch nicht über das Gefühl hinweggeholfen, irgendetwas verpasst zu haben. Ohne sichtbare Entwicklung kann Lia die Gabe plötzlich kontrollieren und hat außerdem selbst einen Schutzpanzer, der jede Emotion von ihr fernhält. Völlig ohne Lias Zutun funktionierte ihre Gabe erst gar nicht und dann zu gut.
Auch im weiteren Verlauf entwickelt sich die Gabe sprunghaft in jede Richtung, als hätte die Autorin zwischen den vielen Beschreibungen von Kleidern, Entwürfen und Fotoshootings vergessen, auch die Entwicklung der Gabe zu erzählen. Dadurch habe ich mich selbst wie von Lias Schutzpanzer eingeschlossen gefühlt. Das hat sich bis zum Ende nicht mehr geändert, sodass mir die Emotionen des Buches überhaupt nicht mehr nahe gingen und mir selbst die aufwühlendsten Momente gleichgültig waren. Schade bei einem Buch, das im Klappentext klingt als würde es sich viel mit Emotionen auseinander setzen.

Fazit:
Die im Klappentext erwähnten Bausteine der Geschichte, Mafia, Gabe und Mode, kommen in sehr unausgewogenem Verhältnis vor. Während Anfang und Ende rasant sind und sich mit der Mafia und Lias Gabe befassen, dreht sich die Geschichte dazwischen beinahe nur um Mode. Damit konnte ich kaum etwas anfangen und dass der Kampf, der mit Pistolen begonnen hat, plötzlich mit Nadel und Faden geführt wurde, war mir sehr suspekt. Zwischen den unzähligen Kleidern fehlten außerdem die Beschreibungen, wie sich Lias Gabe entwickelt hat, sodass sie immer plötzlich ganz anders war als noch bei der letzten Erwähnung. Meine Emotionen hat das Buch nicht kontrolliert, sondern eher ausgeschaltet. Da „Girl in Black“ insgesamt aber eine ganz nette Geschichte mit gutem Ansatz ist, vergebe ich trotzdem drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Ueberreuter Verlag und bei LovelyBooks für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 28. August 2016

[Rezension] Magnus Chase: Das Schwert des Sommers – Rick Riordan



Titel: Magnus Chase – Das Schwert des Sommers
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 551
ISBN: 978-3-551556-68-4
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Wie bitte, Magnus soll von einem der nordischen Götter Asgards abstammen? Er ist doch nur ein ganz normaler obdachloser Junge, der sich allein auf der Straße durchschlägt! Doch es stimmt wirklich – und noch dazu droht in der Götterwelt ein Krieg! Auch Trolle, Riesen und andere Monster machen sich bereit. Ausgerechnet Magnus soll den Weltuntergang Ragnarök verhindern. Dafür muss er ein magisches Schwert finden, das seit 1000 Jahren verschollen ist. Noch hat er keine Ahnung, was für Abenteuer auf ihn warten!

Einordnung:
- Das Schwert des Sommers (Teil 1)
- The Hammer of Thor (Teil 2, dt. unbekannt)
- weitere Teile werden folgen

Rezension:
Während die römische und die griechische Mythologie häufig noch relativ bekannt sind, geht das Wissen der meisten Leser über die nordische Mythologie nicht über die Thor-Filme hinaus. Das Buch fängt daher auf sehr kleiner Ebene an, zunächst das Grundgerüst mit den neun Welten und ihre Verbindung durch den Weltenbaum Yggdrasil darzustellen, um eine grobe Vorstellung der damaligen Weltsicht zu vermitteln. Im Anschluss daran wird im Laufe der Geschichte das Wissen nach und nach vertieft und detaillierter. Während Magnus Chase, der Protagonist, mit seinen Freunden den Weltuntergang Ragnarök zu verhindern versucht, reist er durch die verschiedenen Welten und lernt unterschiedliche Götter und Völker kennen, kann einige Rituale und Traditionen beobachten und begegnet den furchterregendsten Monstern der nordischen Mythologie. Das Buch ist wirklich lehrreich, ohne belehrend zu werden, da neue Informationen immer in die Handlung eingebunden sind. Falls es während des Lesens dann doch zu Verwirrung kommt aufgrund der merkwürdigen Bezeichnungen (nicht alles kann schließlich einen 4-Buchstaben-Namen haben wie Odin, Thor und Loki), findet sich am Ende des Buches ein Glossar mit der Auflistung sämtlicher Namen, Welten und Runen. Damit erklärt das Buch die nordische Mythologie auf sehr unterhaltsame Weise, die nie langweilig wird.

Berichtet werden all diese Informationen mit grandiosem Humor. Fast ununterbrochen lädt das Buch zum Lachen ein. Allerdings ist die Geschichte trotzdem spannend und keinesfalls albern. Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis macht deutlich, dass Magnus ein unglaublich witziger Erzähler ist. So heißt Kapitel 20 beispielsweise „Komm auf die Dunkle Seite. Hier gibt’s Muffins“, direkt gefolgt von Kapitel 21 mit dem Titel „Gunilla wird abgefackelt und das ist überhaupt nicht komisch. Na ja, ein bisschen komisch schon“. Außerdem durchbricht Magnus in gewisser Weise die vierte Wand, indem er Kapitel 69 „Ach ... den hat der Fenriswolf also in Kapitel 63 gerochen“ nennt.
Humor lässt sich generell aber überall in diesem Buch finden. Einmal beschreibt Magnus beispielsweise in einem kleinen Wutanfall seinen Vater als einen „hopsenden Sommergott von einem Dad“ (S. 274), in Anspielung auf die Darstellung seines Vaters in einem Kinderbuch über nordische Mythologie. Selbst dem täglichen Kampftraining, das auf den ersten Blick sehr blutig erscheint, wird mit viel Witz das Grauen genommen, ohne dabei die Gewalt zu verherrlichen. Es fliegt unter anderem in einem dramatischen Moment ein gewaltiger Block Kalkstein auf einen kaum bezwingbaren Halbtroll, mit dem Magnus gut auskommt. Doch schon der nächste Satz sorgt für Lacher, da die Nachricht „Grüße aus Stockwerk 63“ (S. 149) auf die Seite des Steinblocks gepinselt ist. In vielen Momenten sind die Ereignisse oder Magnus‘ Worte einfach nur Situationskomik, aber ich habe mich lange nicht mehr so gut amüsiert beim Lesen.

Es sind aber auch alle anderen Aspekte des Buches gelungen. Trotz des Humors kommt auch immer wieder Spannung auf, besonders dadurch, dass bei einigen Charakteren bis zum Schluss nicht deutlich wird, ob sie nun auf der guten oder auf der bösen Seite stehen. Außerdem hat die Geschichte durchaus auch Tote und Verletzte zu bieten, ebenso wie bewegende Momente, die mich beinahe zu Tränen gerührt haben. Mir persönlich haben außerdem die Anspielungen auf die Reihen „Helden des Olymp“ und „Percy Jackson“ gefallen, auch wenn es für das Verständnis nicht wichtig ist, die Reihen gelesen zu haben, obwohl Annabeth Chase (bekannt aus beiden Reihen) mehrere Auftritte hat. Da bin ich für die Zukunft sehr gespannt, wie Rick Riordan es schaffen will, die römische, griechische und ägyptische Mythologie in die noch viel komplexere nordische Mythologie zu integrieren.

Fazit:
Das Buch ist genial. Magnus ist ein sehr sympathischer und vor allem witziger Erzähler. Die Geschichte lädt fast ununterbrochen zum Lachen ein, sowohl während der Kapitel als auch schon bei den Kapiteltiteln. Trotzdem mangelt es nicht an Spannung und berührenden Momenten. Ganz nebenbei erfährt der Leser außerdem viel über die nordische Mythologie, beginnend mit der Vorstellung der neun Welten bis hin zu detaillierteren Legenden. Diese Informationen sind jedoch alle in die Handlung eingebettet, sodass es nie belehrend wirkt. Insgesamt bin ich von „Magnus Chase“ rundum überzeugt und vergebe daher alle fünf Schreibfedern.


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Carlsen Verlag und bei wasliestdu für das Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 25. August 2016

Neuzugänge #66


Diesen Monat kam wirklich eins zum anderen. Normalerweise bewerbe ich mich auf Leserunden- und Rezensionsexemplare und bekomme dann einen Bruchteil der Bücher tatsächlich zugeschickt. In den letzten Tagen hatte ich allerdings eine ziemliche Glückssträhne, sodass ich tatsächlich alle Bücher, die ich angefragt habe, auch bekommen habe. Auf dem Bild sind auch noch nicht alle Bücher zu sehen, da die Post ein Paket scheinbar verloren hat, sodass ich auf das Buch noch warte. Mein SuB weint trotzdem schon, aber als Rezensionsexemplare werde ich die Bücher alle sehr zeitnah lesen, bevor sie Staub ansetzen.


Im Bloggerportal angefragt habe ich "Angelfall", "In einer anderen Welt" und "Schwestern der Wahrheit". Auf alle drei Bücher bin ich schon wahnsinnig gespannt, weil es sich nicht um klassische Jugend-Fantasy-Bücher handelt, wie sie normalerweise mein Beuteschema sind. Die Klappentexte konnten mich jedoch alle begeistern, sodass ich mein Lesespektrum in nächster Zeit möglicherweise erweitern kann.
Gleiches gilt für "Girl in Black". Das Buch habe ich auf lovelybooks im Rahmen einer Leserunde gewonnen. Bei Kai Meyer konnte mich die Mischung aus Fantasy und Mafia begeistern, daher musste ich es mit diesem Buch auch unbedingt versuchen. Inzwischen habe ich es fast durch und bin etwas enttäuscht. Es geht viel mehr um Mode als um die Mafia und Lias Gabe. Schade, der Anfang war rasant und vielversprechend, danach flacht die Geschichte aber leider ab.
Ebenfalls für eine Leserunde, allerdings auf wasliestdu, habe ich "Magnus Chase" bekommen. Da habe ich mich am allermeisten drüber gefreut, denn ich bin ein riesiger Fan von Rick Riordan. Das Buch habe ich innerhalb von drei Tagen verschlungen und ich bin begeistert. Einfach genial. Meine Rezension folgt demnächst, aber schon mal als Tipp: Wer Percy Jackson mochte, sollte Magnus Chase unbedingt kennen lernen, die Geschichte ist noch besser und sehr viel witziger.
Meinen letzten Neuzugang habe ich mir allerdings selbst gekauft. "Selection - Die Krone" ist dann endlich der Abschluss der Reihe, die in meinen Augen schon nach dem dritten Band hätte beendet sein sollen. Auf das Buch freue ich mich eigentlich weniger wegen der Geschichte, da ich die Protagonistin total unsympathisch finde und mein Favorit es ohnehin nicht werden wird, sondern mehr, weil die Reihe dann abgeschlossen ist. Aber wer weiß, vielleicht werde ich ja überrascht.

Mittwoch, 24. August 2016

[Rezension] Battle Island – Peter Freund



Titel: Battle Island
Autor: Peter Freund
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016
Einband: Softcover
Seiten: 544
ISBN: 978-3-570153-80-2
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Sie träumen von Ruhm und Reichtum – und erleben einen Albtraum aus Habgier und Gewalt.
Als Louisa die Castings für die brandneue TV-Show Battle Island erfolgreich besteht, glaubt sie sich ihrem Ziel ein Stück näher: Mit dem Preisgeld die Therapie ihrer Mutter bezahlen und sie so vor dem sicheren Tod retten. Millionen von Zuschauern werden ihre Suche nach einem Schatz verfolgen, der auf einer von der Außenwelt abgeschnittenen Insel im Atlantik versteckt ist. Doch auch die anderen Kandidaten wollen an das Geld – dazu ist ihnen jedes Mittel recht und so wird aus der Unterhaltungsshow schon bald ein Spiel auf Leben und Tod ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Direkt beim Aufschlagen des ersten Kapitels fällt auf: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt. Das Buch beginnt bei „Tag acht“ der TV-Show und erzählt die Geschehnisse dieses Abends und des nächsten Morgens, immer wieder unterbrochen durch Kapitel, die „Wochen zuvor“ spielen und Schritt für Schritt die Ereignisse vor Beginn der Show erklären. Diese Wechsel erfolgen, bis die Vorgeschichte bei „Tag null“ angekommen ist, dem Anreisetag vor Beginn der Show. Ab dort werden die Ereignisse auf der Insel chronologisch erzählt mit einer Lücke an der Stelle, an der sich die bereits geschilderten Geschehnisse von „Tag acht“ und „Tag neun“ einreihen, auf die zwar verwiesen wird, die aber nicht nochmals ausgeführt werden. Im ersten Moment mag dieser Aufbau verwirrend klingen, aber für den Spannungsbogen ist er unerlässlich. Durch den rasanten Einstieg in eine der dramatischsten Szenen des Buches wird sofort Spannung aufgebaut, die mitreißt. Die Kapitel, die die Ereignisse „Wochen zuvor“ schildern, wie beispielsweise Lous Praktikum beim Fernsehsender, Aktivitäten mit ihrem Freund und Ausscheidungswettkämpfe um die wenigen Plätze in der Show, bieten zwischendurch eine willkommene Möglichkeit zum Durchatmen. Komplett chronologisch erzählt wäre der Anfang des Buches wohl ziemlich langweilig gewesen. Daher ist der gewählte Aufbau des Buches wirklich genial, um den Leser sofort in die Geschichte hinein zu reißen und ihn bis zum Schluss nicht mehr los zu lassen. Dadurch, dass zu Beginn jedes Kapitels detailliert angegeben ist, wo die Handlung beginnt, um welchen Handlungsstrang es sich handelt (Tag der Show vs. Wochen zuvor), welcher Wochentag, welches Datum und welche Uhrzeit gerade ist, kommt es auch nicht zu Verwirrung, wo die Szenen einzuordnen sind.

Ebenfalls gefallen haben mir die Charaktere, obwohl sie wirklich jedes Klischee bedienen. Da es sich aber um Kandidaten für eine Fernsehshow handelt, ist das diesmal sogar ein positiver Aspekt. Denn da nur zehn Personen an der Sendung teilnehmen können, müssen sie sich natürlich so weit wie möglich in ihren Persönlichkeiten, ihrer Herkunft und ihren Fähigkeiten unterscheiden sowie eine tragische Vergangenheit aufweisen, um für eine solche Show ausgewählt zu werden (wer glaubt schon daran, dass in irgendeiner TV-Show die Kandidaten jemals wegen ihrer Leistungen in zufällig gewählten Vorentscheiden ausgewählt werden?). Nur bei einer solchen Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes entsteht eine glaubwürdige TV-Show. Diese Ironie ist traurig, vom Autor aber wirklich gut umgesetzt. Da zwischen all diesen Klischees Lou am ehesten dem Durchschnittsmenschen entspricht und eine Menge Sympathien sammelt, schafft sie es als Erzählerin, trotzdem dafür zu sorgen, dass das Buch flüssig zu lesen ist und die Prototypen der erfolgsgeilen Tussi, des Millionärssöhnchens und des Jungen mit krimineller Vergangenheit nicht allzu sauer aufstoßen.

Doch nicht nur die Auswahl der Kandidaten ging nicht mit rechten Dingen zu, sondern die ganze Show offenbart sich langsam als ein einziger Betrug, so wie es wohl auch fast alle Shows sind, die tatsächlich tagtäglich im Fernsehen laufen. Relativ schnell stellt sich heraus, dass die Kandidaten den Produzenten vollkommen egal sind. Sie interessieren sich nur für gute Einschaltquoten und im Notfall gehen sie dafür über Leichen. Dass einige von ihnen gleichzeitig in persönlichen Rachefeldzügen unterwegs sind, heizt die Stimmung zusätzlich auf. Und dass sich außerdem die Kandidaten gegenseitig an die Gurgel gehen, weil jeder diesen Gewinn unbedingt haben will, treibt Dramatik und Gewalt immer weiter voran. Bis zum Schluss ist das Buch unheimlich mitreißend. Eskalation ist wirklich ein milder Ausdruck für das Finale, das den Leser erwartet.

Fazit:
Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein einziger Rausch aus Spannung und Dramatik. Der nicht ganz chronologische Aufbau treibt den Puls schon im ersten Kapitel nach oben und je mehr von dieser dramatischen Geschichte erzählt wird, desto aufgeheizter und gewaltreicher wird die Stimmung, bis die Situation zum Schluss vollkommen eskaliert. Das Buch ist mitreißender als jede TV-Show, obwohl es eine solche in allen Details beschreibt, von den klischeebehafteten Charakteren mit tragischer Vergangenheit über künstliche Inszenierungen für die Zuschauer bis hin zur gewissenlosen Jagd nach Einschaltquoten, für die auch über Leichen gegangen wird. „Battle Island“ ist ein dermaßen packendes Buch, dass ich sehr gerne alle fünf Schreibfedern vergebe.


Ich bedanke mich ganz herzlich beim cbj Verlag und dem Bloggerportal Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 21. August 2016

[Rezension] GoodDreams: Wir kaufen deine Träume – Claudia Pietschmann



Titel: GoodDreams – Wir kaufen deine Träume
Autor: Claudia Pietschmann
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 353
ISBN: 978-3-401601-51-9
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Leah will nicht mehr träumen. Zu sehr treibt sie die Angst um, nicht in die Realität zurückkehren zu können. Ihr Zwillingsbruder Mika versteht Leah nicht. Er ist Profiträumer und verdiente lange mit seinen Träumen Geld. Geld, das die Geschwister dringend für ihren kranken Vater brauchen. Eines Tages erhält Mika eine anonyme E-Mail und damit die Chance auf 250.000 Dollar: Er soll bei einem geheimen Spiel mitmachen und gegen drei anderen Jugendliche antreten. Das Ziel des Spiels? Ungewiss. Der Startpunkt? Im Traum. Das Problem: Seit Mika an Schlafstörungen leidet, ist für ihn ans Träumen nicht mehr zu denken. Ihre einzige Chance ist Leah. Sie muss ihre Angst überwinden und in den Traum eines Unbekannten aufbrechen. In einen Traum, der zum Albtraum wird – und der etwas enthüllt, das Leah und die gesamte Menschheit erschüttern wird ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Obwohl Leah die Protagonistin der Geschichte ist, wird das Buch nicht nur aus ihrer Perspektive geschildert, sondern auch aus denen der drei anderen Jugendlichen, die an dem mysteriösen Spiel teilnehmen: Yuna, Tayo und Ben. Es ist jedoch nie schwer zu erkennen, wer aktuell der Erzähler ist und die Perspektive wechselt auch, wenn überhaupt, nur am Anfang eines neuen Kapitels. Mir persönlich ist das zugutegekommen, da ich mich mit Leah nicht so richtig identifizieren konnte. Besonders zu Beginn lebt sie mit der Einstellung, dass ihr Bruder alles richten und jedes Problem aus der Welt schaffen kann. Sie möchte Geld und Glück, Antworten auf Fragen und Lösungen für Probleme, ohne dafür selbst auch nur einen Finger zu rühren. Ich wäre mit dem ganzen Buch nicht warm geworden, wenn ich nicht zwischendurch Teile der Geschichte aus anderen Perspektiven hätte lesen dürfen. Im Gegensatz zu Leah war mir nämlich insbesondere Ben sehr sympathisch, sodass sich diese Abneigung wieder ausgeglichen hat.

Das Spiel selbst, zu dem die Charaktere mit einer anonymen Mail aufgefordert werden, habe ich lange Zeit nicht verstanden. Das macht jedoch einen großen Reiz des Buches aus, denn damit ging es mir wie den Figuren. Sie alle hatten keinerlei Informationen zu dem Spiel erhalten, außer der Uhrzeit, zu der sie sich an einen bestimmten Punkt im Traum eines Fremden träumen sollten. Gleich dabei sind sie schon auf die erste Schwierigkeit gestoßen, denn obwohl sie alle am selben Punkt landen, ist es eindeutig die falsche Position. Ohne jegliche weitere Erklärungen müssen die Charaktere ein Spiel spielen, dessen Spielregeln sie erst nach und nach erlernen, indem sie die Konsequenzen eines Regelverstoßes am eigenen Leib zu spüren bekommen. Doch die Charaktere müssen nicht nur bewaffnete Wächter und Explosionen überleben. Gleichzeitig stehen sie miteinander im Wettstreit, denn zumindest drei von ihnen brauchen das versprochene Preisgeld wirklich dringend. An dieser Stelle war es mir unmöglich, mir einen perfekten Ausgang zu wünschen. In meinen Augen hätte jeder das Geld verdient. Mit jedem Kapitel wechselten die Sympathien hin und her.
Gleichzeitig hat der Leser schon einige tiefere Einblicke in die Ideen hinter dem Spiel bekommen und den Charakteren einiges Wissen voraus, sodass auch aus diesen Aspekten Spannung entsteht. Denn während die Figuren mit der Zeit immer besser verstehen, worum es bei diesem Spiel eigentlich geht, und feststellen, dass sie so manches Mal aufeinander angewiesen sind, übersehen sie gleichzeitig für lange Zeit, dass die Grenze zwischen Traum und Realität immer mehr verwischt. Schließlich bröckelt dann sogar der Glaube an das wichtigste Gesetz des Träumens: Es ist nicht möglich, im Traum zu sterben. Spätestens an diesem Zeitpunkt hat sich der Traum in einen Albtraum verwandelt, aus dem es kein Entkommen gibt.

Bis zum Schluss bleibt das Buch spannend, denn die Charaktere brauchen das Geld, also können sie nicht einfach aufgeben. Gleichzeitig sind Teile des Traums aber auch schon zur Realität geworden, sodass es nicht einmal tagsüber ein Entkommen gibt. Der große Knall, als die Charaktere endlich herausfinden, worum es bei dem Spiel geht, wer den Traum entwickelt hat und wie sehr ihre Erkenntnisse die Welt erschüttern könnten, ging allerdings irgendwie unter. Es herrscht so viel Chaos, dass diese Neuigkeit nur ein einzelner Puzzlestein der Katastrophe ist. Aber mir gefällt das Ende, gerade weil es relativ ruhig ist. Oftmals braucht es nur den Flügelschlag eines Schmetterlings, um eine Revolution anzustoßen, einen Umsturz zu bewirken oder ein ganzes Land aus den Angeln zu heben. Doch manchmal ist selbst ein Tornado eben nur ein Tornado. Der Schutt wird weggeräumt und alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Das ist ein ungewöhnliches Ende für ein Buch, aber gerade das macht den Reiz aus.

Fazit:
Das Buch hat mir gut gefallen. Mit der Protagonistin Leah hatte ich meine Schwierigkeiten, doch da die Perspektive immer wieder wechselte, war das kein großes Problem. Die ungewöhnliche Welt der Träume hat viel Raum für Spannung eröffnet, denn anfangs habe ich die Spielregeln noch weniger verstanden als die Protagonisten. Im Laufe der Geschichte wird die Handlung immer dramatischer und spannender, der große Knall am Ende geht allerdings fast unter. Das Buch endet auf wirklich ungewöhnliche Art und Weise, viel ruhiger als erwartet, aber dadurch nicht weniger gut. Insgesamt vergebe ich an „GoodDreams“ daher vier Schreibfedern.